Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 3
- Article
- Literarisch-kritische Übersicht
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 1)
- Language
- German
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Literarischkritische Uebersicht. Unsere Literatur entspricht unseren Zuständen; viele Kruste, sich immer weiter verbreitendes Verständniß und doch keine ächte That des Geistes! Allerdings trägt die Gegenwart nicht die Schuld daran; sie ist von der Vergangenheit loSgerissen, muß sich von ihr loöreißen und kann doch nicht von ihr sich trennen, das ist daS Übel. „Unsere Väter sündigten und sind nicht mehr, und wir müssen ihre Fehler tragen," oder auch: man frevelte gegen unsere Väter, und wir müssen die Früchte der Unthat verzehren. Es fehlt an der gesunden Entwickelung von Innen heraus, wir können mit den unmittelbar vorhergegangenm geistigen religiösen Errungenschaften nicht weiter arbeiten, und so völlig überwunden sind sie dennoch noch nicht, daß wir einen neuen festen Boden gewonnen hätten. Als dieser Übelstand zuerst recht lebendig gefühlt wurde, da sprach sich ein frisches Reformbedürsniß auö; cS war ein neuer Gedanke, lebenöwarm, der die Pulse der Literatur mit jugendlicher Raschheit' schlagen ließ. Die Literatur hat in diesem Punkte ihre Mission erfüllt; die Reform ist nicht bloö in die Köpfe und die Herzen gedrungen, sie steckt in allen Gliedern. Eine Aufforderung dazu, ein Kampf dafür, für den Gedanken im Ganzen und Großen ist kaum mehr nöthig; es handelt sich nicht mehr darum, die Überzeugung anzuregen, ein neues Sweben zu erzeugen, es gilt höchstens, dis Trägheit aufzurütteln, die Gewohnheit zu verdrängen, die Mattherzigen, die Heuchler, die Klüglinge aus ihrer unhaltbaren Position zu vertreiben, daS ist ein Kampf, der mit Taktik, nicht durch Ideen geführt wird, cö ist ein Kampf im Leben, ein ermüdender, kleinlicher, der Ausdauer und Hingebung verlangt, nicht in der Wissenschaft, den die rasche Begeisterung entzündet und der wieder eine begeisterte Schaar weckt. Ich achte den Kampf des treuen Pflichteifers, der freudigen Hingebung an alles Einzelne zur Durchführung einer großen Idee nicht minder als den siegestrunkenen, gefahrverachten- Len Sturm gegen eine so lange unangefochtene Überzeugungaber