Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die religiösen Thaten der Gegenwart im Judenthume
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 9)
- Language
- German
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Die n'llgids?ri Thalen der Gegenwart. 69 die Berliner Genossenschaft, einen regelmäßigen Sonntag-Gottesdienst neben dem des SabbathS einzurichten. Die liturgische Hervorhebung eines TageS, welcher durch die Umstande besonders begünstigt ist, ist nicht ganz neu; die bestehende Liturgie bietet ein Beispiel dafür, dessen geschichtlicher Ursprung allerdings verwischt und vergessen worden. Die erhöhte Feier deö Sabbath-GotttSdiensteö. kam nämlich bloS größeren Städten zu Gute, während die Dorfbewohner, entblößt von den nöthigen Personen und Instituten, sich dessen nicht erfreuen konnten; nun aber waren Montag und Donnerstag ehedem Markttage, und da an diesen die Dorfleure in die Stadt tarnen, so ward, ebenso wie sie zu den eigentlichen Gerichtstagen bestimmt wurden, an ihnrn auch das Vorlescn auö der T'horah eingeführt, wenn auch in geringerem Maße als am Sabbath. So wurden auch Fasttage, welche wegen öffentlicher Calamitäten angeordnet wurden, auf diese Tage beschränkt, und man rückte sogar daü Purimfest oder wenigstens da§ Vorlesen deS Büchleins Esther auf den dem eigentlichen Feste vorauögehenden Montag oder Donnerstag. Man gab also gewöhnlichen Wochen« tagen eine höhere gottesdienstliche Bedeutung, lediglich weil der Besuch deS Gottesdienstes an ihnen für einen gewissen Kreiö leichter war; Dieö ist der einzige wahre geschichtliche Grund, wem; auch darüber vieles Andere gefabelt sein mag. Eine ähnliche Bewandtniß würde eö nun jetzt mit dem Sonntage haben. Wenn auch nicht gestützt auf den ähnlichen geschichtlichen Vorgang, allein von demselben Bedürfnisse geleitet, war daher die Genossenschaft an die Einrichtung eines Sonntag-Gotteödieiistcö geschritten. Diese Einrichtung stieß jedoch auf zwei mächtige Bedenken. DaS eine war, daß die höhere gottesdienstliche Bedeutung hiermit gerade eirrcm Tage gegeben wurde, welcher der Feiertag der staatlich herrschenden Kirche war und in ihr der übermächtigen Nebenbuhlerin eine gefährliche Eoncession gemacht zu sein schien; daö andere war, daß die Bedeutung deö SabbathS hiermit noch mehr herabgedrängt wurde und der neue Gottesdienst nur ein erster, aber sehr wichtiger Schritt schien zur Verlegung deö SabbathS auf den Sonntag, eine solche Maßnahme betrachtete man geradezu als eine Selbstopferung und eine Hingabe an das Christenthum. Daß diese 'Bedenken von mancher Seite mit einer Schroffheit ausgesprochen