Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die religiösen Thaten der Gegenwart im Judenthume
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 8)
- Language
- German
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88 Die religiösen Thaten der Gegenwart. lung dev Gottesdienstes gerichtet war, wirkte so nach aller: Seiten hin, wenn sie auch nicht gleichmäßig und nicht bis zum erwünschten Punkte hin gedieh; an vielen Orten wurden Änderungen irn Inhalte, Abkürzungen und Einschaltungen deutscher Gebetstückc vorgenommeri. Allein in der Praxis zeigte sich bald noch ein anderes Bedürfnis), welches bis dahin kaum noch zur theoretischen Verhandlung gekommen war. Sollte nämlich ein neugcsialtctcr durch Inhalt, angemessene Dauer und Form ansprechender Gottesdienst seine erfolgreiche Wirkung auf die Belebung deö religiösen Sinnes üben, so mußte er auch zu einer Zeit abgehaltm werden, in welcher die Gemeinde, den gegenwärtigen Verhältnissen nach, auch mit voller Hingebung sich an dem Gottesdienste zu betheiligen im Staude ist, und für eine solche Zeit war nicht gesorgt. Man hatte sich schon lange daran gewöhnt, allen Zeiten des öffentlichen Gottesdienstes mit Ausnahme des sabbathlichen einen untergeordneten vorübergehenden Werth beizulegcn: man war nicht darauf ausgegangen, dem Wocherrgottesdienst eine ästhetische Anziehungskraft zu verschaffen, weder Predig: noch Gesang begleitete ihn, und man räumte auS ihm höchstens daö Anstößige in Inhalt wie Form weg. Bei dem Sabbotl^GotteSdienste erhalt zwar der einleitende am Abend eine erhöhte Feier durch den Gesang, doch keineswegs durch das wesentliche Moment der Predigt; bereits nahm auch dteser Gottesdienst den zweiten Rang ein, die Anzahl der Besucher war eine verhältnißmäßig geringe, und man fühlte es, daß selbst Diejenigen, welche ihn bcsnchren, unmittelbar vom Tagesbcrufe sich enffernend, nicht mit der Sammlung erscheinen können, welche zu einem wahrhaft erbaulichen Gottesdienste erforderlich ist/ DaS ganze Streben zur Veredlung couceritrirte sich fast auf den Morgen-Gottesdienst des Sabbalh. Allein auch hier waren unsere Verhältnisse nun zu einem Punkte gelaugt, welche dessen heilsamen Einfluß auf einen kleinen Kreis beschränkten. Man mag einen solchen Zustand, daß Feier- und Festtage in dem Strudel des Geschäftslebens aufgehn, bedauern, bekämpfen, aber daß er vorhanden ist, muß zugestanden, und die Nothwendigkeit, trotz demselben doch die Wirkung der öffentlichen Gottesverehrung für einen großen Theil nicht ganz einzubüßen, muß anerkannt werden. In dieser Lage der Dinge entschloß sich