Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die religiösen Thaten der Gegenwart im Judenthume
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 7)
- Language
- German
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Die ruigiösen Thalen der Gegenwart. 87 werde, daß gerade der wesentliche Theil dcö Gottesdienstes dem Verständnisse nnv rc,her der gcmüthlichcn Behelligung wiedergegcben werden müsse, wahrend die Gewohnheit sich gleichdiel mit welchem Neste alrer Klange eher begnügen könne. Aber noch ein anderer Umstand tritt in der Anwendung hervor, der den: Zwecke, die (Erbauung wieder zu erwecken, sehr hinderlich ist; der häufige Wechsel zweier verschiedener Sprachen entzieht dem Gottesdienste den Charakter der Cinheit, er erscheint zerrissen, buntscheckig, ein alter Nock mit neuen Flicken. Die N.-V. hatte sich mehr dem Grundsätze des Tempels zugeneigt, das praktisch: Leben hingegen mit richtigem Gefühle davon abgewandt, und eö zeigte sich später selbst bei Mitgliedern der Versammlung, wie die Theorie der PrariS weichen müsse. Die Berliner Genossenschaft richtete bald einen ganz deutschen Gottesdienst ein, in welchem nur einige wenige Satze der hebräischen Sprache eingeräumt wurden. Ihr folgten die Sonntag-Gotteödicnste in Königsberg und Offenbach, der Sabbath-Nachmittaq-Gotteödienst in Worms. Wenn dieser vollständig deutsche Gottesdienst dem Kreise, für welchen er besteht, angemessen sein mag, so ist damit die Frage für die deutsche Judenheit im Allgemeinen, die in einem engeren Zusammenhangs mit der Ver* gangenheit lebt, noch keineswegs entschieden. Umgekehrt wurden .cuideröwo zwar mehre deutsche Thcile im die vollständig hebräische Liturgie eingeführt, aber nur solche, welche sich leicht von deren Organismus ablösen lassen, wie z. B. die um das Vorlesen aus der Thorah sich gruppirenden Gebete und Segeuspcndungen. Die Commission, welche im Aufträge der N.-V. ein neues Gebetbuch unfertigen sollte, konnte wegen der Schwierigkeiten, welche die prak-» tische Durchführung des von dieser ausgestellten Grundsatzes erzeugt, nicht zu einer rechten Einigung gelangen, und ich glaube auch nicht, daß man auf diesem Wege zun: Ziele, Versöhnung der Gewohnheit mit den Ansprüchen der Gegenwart, gelangen kann. Der Weg der Versöhnung bleibt wohl einzig der, daß die verschiedenen Elemente möglichst unvermischt neben einander bestehn und der deutsche Theil, sich an Vorlesen aus der Thorah und Predigt anlehnend, in der Mitte sich befindet, von wo aus er immer eine größere Verbreitung zu erlangen vermag. Die Aufmerksamkeit, welche auf die durchgreifende Umgestab-