Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die religiösen Thaten der Gegenwart im Judenthume
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2929020-2929046-2929049-2932705--3259-2932720- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die religiösen Thaten der Gegenwart. 85 Tie heftigsten Debatten erregte die Form," der Mensch hängt an der Form oft mehr als an dem Wesen, und daö mittelalterliche Judenthum ideutisicirte sich fast in allen Stücken lediglich mit der Form, für jencö kämpfen, heißt daher: diese sorgsamst bewahren. Welche soll die Sprache deS Gottesdienstes sein? Nun, der Unbefangene erwidert rasch: diejenige, welche Allen allein voll und ohne Nachdenken verständlich ist, in welcher die Betenden denken und fühlen, welche mit ihrer Aussprache alsbald im Herzen verwandte Klänge weckt, kurz: die Muttersprache. Wer jedoch die Bedeutung der Geschichte für den Ausdruck deö confessionellen Lebenö anerkennt, wer in dem Gebete, zumal dem öffentlichen Gottesdienste, den unmittelbarsten Ausdruck deS confessiouellcn Lebenö erblickt, der wird vielleicht zugeben, daß für eine, selbst nicht sehr ferne, Zukunft die möglichst vollständige Umwandlung unseres Gottesdienstes in einen deutschen vor sich gehen müsse, er wird aber auch die Anklänge, welcheaus der gewohnten Erbauung in die Gegenwart hereinrogen, nicht mit einen; Male in fremde Töne umzugestalten für geeignet halten, also Zuvörderst eine Verschmelzung deü ererbten Hebräischen und deS neuen deutschen Elements verlangen. Dieses praktische Resultat, welches sich nach umsichtiger Erwägung der verschiedenen Herzensbedürfnisse herauöstellt, fand auch seinen Ausdruck in dem Beschlüsse der N.-D., nur daß die Zersplitterung der Debatte in einzelne Fragen Zu argen Mißverständnissen und Spaltungen führte. Ob die hebräische Sprache objcctlv gesetzlich norhwendig sei, war die erste Frage, gegen deren Fassung, als eine zweideutige und unverständliche, sich viele Mitglieder auösprachen; gesetzlich? haben Thalmud und Nabbinen wirklich gesetzliche Autorität? objcctiv, also etwa in dem Wesen deö jüdischen Gottesdienstes selbst liegend, ist nicht eine Bestimmung zu jener angeblichen Gesetzlichkeit, sondern ein ganz neuer Begriff. Dabei wich diese Frage wie auch die zweite, ob auö andern Gründen die Beibehaltung der hebräischen Frage objectiv nothwcndig sei, von dem eigentlich Packtischen Standpunkte der Versammlung ab; die ganze Aufmerksam^, tt mußte auf daS gegenwärtige Bedürfnis) gerichtet sein, mit welchem sich.auSeinderzusctzen die Aufgabe der Theilnehmer, je nach ihren verschiedenen wissenschaftlichen Überzeugungen sein mußte, und welchem ein mögliches Genüge zu leisten der Beschluß erzielen sollte.