Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die religiösen Thaten der Gegenwart im Judenthume
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 3)
- Language
- German
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Du' religiösen Lhatcn der Gegenwart. 83 lung des I. welche die Fragen mit vollem Ernste aufnabm und verhandelte^ nicht ganz frei gehalten; dennoch war daS Ergebnis; ihrer Bcrathungen daö Produkt eineö richtigen Taktes, welcher die Majorität in ihr leitete. Der Inhalt der bisher feststehenden Gebete ruht auf einem nationalen Grunde; daö Individuum und die Glaubensgemeinde treten hinter den; Volke zurück. Daö Bewußtsein, einem auöerwählten Volke anzugehören, daö früher durch besondere Gnade Gottes erkoren und ausgezeichnet war, und daö, wenn auch gegenwärtig, seiner Sünden wegen, seiner höchsten nationalen Güter beraubt, doch in Zukunft wieder zur alten Glorie sich erheben werde, durchweht alle diese Gebete. Unser Gebet aber muß, da das Bewußtsein, einem besondern Volke anzugehören, geschwunden ist, die Gesühle des Individuums und der Glaubenögemeinde anSdrücken. Also nicht die Auserwähltheit Israel'ö, sondern sein Berus in der Geschichte, den Glauben an die Einheit' GotteS zu vertreten, muß ausgesprochen werden, nicht die Sammlung Israel's in Palästina, nicht die Wiederherstellung eineö israelitischen Staates und des Tempeldienstes in Jerusalem nach alter Weise, sondern die liebevolle Einigung der Menschen im reinen Gotteöglauben muß die Hoffnung für die Zukunft sein, und daö Individuum sieht seine Zuversicht über daö Erdenleben hinaus nicht in der Hoffnung auf die nationale Auferstehung der Todten, sondern in der auf die Fortdauer deö Geistes gestärkt. Die zweite N.-V. hat den ersten und den letzten Punkt mit Stillschweigen übergangen, aber des mittleren sich bemächtigt und wollte den Messiaöglcmben in dieser Fassung ausgedrückt wissen. Sie hat, für die Bedürfnisse der Gcsammtheit sprechend, mit Recht nicht den Glauben selbst in bestimmter Formel sestgestellt, sondern den Ausdruck desselben für das Gebet in der Weise verlangt, daß die Bitte um Sammlung und Rückkehr nicht mehr vorkomme. Sie hat Ln ^Verbindung damit auch den Wegfall der Bitte um Wiederherstellung deö Opferdienstes ausgesprochen. Sie hat allerdings nicht entschieden genug alle hier in Anregung gebrachten Punkte beseitigt. Sie hat sich über den Ausdruck von einem persönlichen Messias, von einem Tempel in Jerusalem nicht ausgesprochen, sie hat sogar die Erinnerung an den Opferkultuö beibehalten wollen — Halbheiten, die 6"