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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1847-01-01 · Heft 2 · p. Seite 74

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1847
Issue
Heft 2
Article
Nachschrift
Date
1847-01-01
Page
Seite 74 (sequence 9)
Language
German
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!. Die Speisegesehe. 71 Die symbolische Anschauung der „Unreinheit" ist demnach für unö geschwunden, blos der in ihr symbolisirte Gedanke ist geblieben, und zwar ist jene nicht erst jetzt geschwunden, sondern war es schon, wie ich Einhorn vollkommen beipslichten muß, zur Zeit des Thalmudö, nur daß das thalm. System diesen Unterschied nicht zugebcn. mochte, daher keine Konsequenzen daraus zog und die Konsequenzen, die sich daraus von selbst für daS Leben ergaben, umzudeuten vernichte, wahrend wir diesen Unterschied klar erkennen und die Conscquenzi-n daraus als vollberechtigt aufnehmen. Die Äußerung, „der Thalmud habe die Gesetze über Reinheit und Unreinheit aufgehoben" ist daher zwar keine adäquate Fassung der Thatsache, die damit ausgedrückt werden soll — was wir Holdheim gerne zugeben —; allein ihrem Grundgedanken nach ist sie dennoch richtig. Die thalmudische Zeit — das ist der Sinn derselben — war dieser symbolischen Anschauungsweise entrückt, sie war in ihrer Nüchternheit derselben entwachsen, und cö machte sich nothweiidig im Leben die Folge dieser ganz geänderten religiösen Betrachtungsweise geltend; der Thalmud jedoch, wie er unS als System entgegentritt, kann dieses Zugeständnis; nicht machen und sucht Ausflüchte, um der Qual des vorhandenen Widerspruchs zwischen der Bibel und seiner Zeit zu entgehn. Daher behauptet er entweder, jene Gesetze seien, weil jetzt die Bedingungen zur Ausführbarkeit fehlen, blos suspendirt und würden, sobald die Bedingungen wieder eintrcten, auch wieder zu ihrer früheren Geltung gelangen, bald sucht er selbst die biblischen Bestimmungen einzuschränken, er disputirt der Bibel gewisse Vorschriften, die sie unzweideutig ausspricht, weg, weil sie zu seiner Zeit nicht mehr beobachtet wurden. Darin ist nun allerdings die Absicht ausgesprochen, ganz auf dem biblischen Standpunkte verharren zu wollen, kein Titclchen davon aufzugebcn, zugleich aber auch indireet das ganz unzweifelhafte Geständnis;, daß seine Zeit 1 hat sächlich nicht mehr auf diesem Standpunkte verharre und mehr al'ö ein Titclchen ausgegeben habe. Daher ward eö nicht mehr als ein Vergehen angesehen, „sich zu verunreinigen," und der Thalmud giebt Dieö zu, nur daß er doch die Verpflichtung nicht aufgiebt, sich dann wieder zu reinigen; außerhalb Palästma'S hatte man schon zur Zeit, als noch der Tempel stand, die Gesetze über Reinheit und Unreinheit gar nicht mehr beachtet, und die

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