Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 2
- Article
- Nachschrift
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 8)
- Language
- German
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70 I. Die Spciskgcsftze. übte Gewaltthat, der Ehebruch alö Unzucht verunreinigen, und zwar, wie ganz richtig bemerkt wird, nicht blos dem Tempel und seinem Dienste gegenüber, wenn sie auch bei ihm alö einem besonders Geheiligten vorzüglich hervorlrelcn, sondern ganz allgemein. Sicher wird nun bei der Beurtheilung dieser Gegenstände von unstrm, ruchtsymbolischen Standpunkte aas, weit die symbol. „Unreinheit" nicht mehr cristirt, auch daS als unrein Bezeichnte nicht schlechtweg beseitigt werden; vielmehr muß daö, was es zum Unreinen macht, erkannt werden, wir werden dann das Widernatürliche und Unsittliche in seiner Verwerflichkeit, sollten wir cs auch nicht unrein nennen, ferner als irreligiös abweiscri, von dem blos lörperlich Krankbastcn uns wobl fern halten, darin aber nicht ein rein Religiöses erblicken. Wir betrachten den Leichnam nicht mehr als verunreinigend, aber als daS Verweöliche, das wir der Seele gegenüber nicht achten dürfen, der Aussatz und die Geschlcchtsleiden bleiben für uns blos Krankheiten, die eine Entfernung rathsam machen, der eheliche Umgang jedoch eines mit einem Gcschlechtsleiden Behafteten oder mit einer solchen, sowie aller widernatürliche Umgang LUiben uns Verbote mit tieferem sittlichen Gehalte, wenn auch die ganze symbolische Ausarbeitung für unö schwindet.- Was nun die „unreinen" Thicre betrifft, so scheint eS, das; das Grausame des Naublhrcres, das Ekelhafte anderer sie biblisch „unrein" machen; die „Unreinheit" schwindet für uns, und cs bleibt nur daö Widernatürliche, das; wir unS von grausamer; und ekelhaften Thieren nähren sollen. Neben dem Ausdruck der „Unreinheit" erscheinen daher auch in der Bibel die Ausdrücke: Widerwärtiges und Greuel, Abscheu erregend. Die Vorschriften sind damit von dem rein religiösen Gebiete auf das des natürlichen Widerwillens herabgesrmken, und da ist dann auch die Frage wichtig, ob alle die verbotenen Thierarten in unfern Augen wirklich noch Ekel ^insiößen. Der der Unreinheit inwohnende tiefere allgemeine Grund bleibt auch hier in seinem Rechte, nur hat er, auö der symbolischen Umhüllung hervor getreten, nicht immer religiöse Kraft, und erleidet Ln seiner Anwendung auf Einzelnes sehr viele Modisicationm. Bei aller Abweichung in unserer Anschauungsweise werden wir jedoch den biblischen Begriff, der sich nur dort Ln zeitlicher Form darstellt, immer mehr in seiner Reinheit erkennen und in seiner Dignität anerkennen.