Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 2
- Article
- Nachschrift
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2929020-2929046-2929048-2932652--3236-2932690- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
i. Die Speisegesehe. 69 uach den danialö herrschenden Begriffen, auch diesen Thicrrn einwohnen soll. Den, nusmerksamen Leser der von den verbotenen Speisen handelnden Bibelstellen kann die Nichtigkeit dieser Ansicht nicht entgehen, nur finde ich sie gleichfalls nicht so neu, wie Einhorn glaubte. Allein wenn man mit dieser Auffassung daö Ganze abgethan glaubt, sich aus den allgemeinen Kanon stützt: die biblische „Unreinheit" ist eine symbolische, daS Symbolische hat seine Geltung für nnö verloren, und nun den weitern Schluß zieht: also sind auch die Speiseverbote. als von symbolischer Unreinheit bedingt, für uns nicht verbindlich, so hat man dennoch bloS eine halbe Arbeit gelhan. Es ist daS Wesen deS Symbols, daß eine höhere Wahrheit, ein sittlicher und religiöser Begriff sich in einem Äußerlichen darstellt, und für die Völker, welche in der lebendigen Auffassung der äußern -Natur stehn und zum reinen Denken noch nicht vorgedrungcn sind, ist der Begriff in das Svmbol cingchüllt, der Begriff ist da, aber nicht selbstständig, sondern mit dem Symbole zugleich gegeben, daö Symbol hat daher aus diesem Standpunkte vollkommen gleiche Berechtigung mit dem Begriffe. Wir würden daher Unrecht thun, wenn imr sagen wollten, der höhere Begriff sei für sie gar nicht vorhanden gewesen, vielmehr war er gerade die Seele deö Symbols, nur erhoben sie sich nicht zu der selbstständigen Erkenntniß dieser Seele, sondern erfaßten sie in und mit deren Leib. Unsere Ausgabe ist es nun, den Gedanken rein zu erfassen und ihn von seiner zeitlichen Darstellung zu befreien, ohne daß wir nnö deshalb in das Gebiet der oft sehr phantasicreichen, aber auch nur zu oft erdichteten, Deutungen jeder einzelnen symbolischen Ausschmückung verirren dürfen. Auch die symbolische „Unreinheit" — unv nicht minder die symbolische „Heiligkeit/ deren Betrachtung wir uns für andere Zeit verspüren müssen —- hat ihre tiefere Wahrheit. Das Unnatürliche, Krankhafte, Widerwärtige, Ekelhafte, kurz Daö, waö eine sittliche Indignation erregt, aber auch waö unü sonst abstößt, sei eö weil eö seiner Natur nach widcrwärtig ist oder weil eö auö seinem naturgemäßen Zustande, - anö seiner Gesundheit herauögetrcten ist, erscheint auf dem symbolischen Standpunkte als „unrein." Der Leichnam, als daö Entgelte, der Aussatz, die Geschlechtsleiden als daö Krankhafte, aber auch der widernatürliche Geschlechtöumgang, die gegen die. Jungfrau ge-