Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 2
- Article
- Nachschrift
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 3)
- Language
- German
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l. Die Spcisegeslhe. 65 muß, ganz so wie der Einzelne für den Krciö seiner Gemeinde, den praktischen Anöspruch über eine solche Reform noch verschieben und muß der literarischen Anregung e§ überlassen, zuvörderst noch den Sinn zu wecken, die Gemüther für jene höhere religiöse Auf» fassung vorzubcreitm. Be! diesen Gegenwänden wird auch meistens die literarische Besprechung noch eine sehr geringe sein, und gerade die Nothwcnvigkeir, in welche die Versammlung sich versetzt sieht, ihr Unheil noch unentschieden zu lasten, wird ein mächtiger Sporn sein, in die Erörterung tiefer einzugehn. — In solcher Lage befinden wir uns gegenüber dem Gesammtgebicte der Speisegcsctze. ES wird ein Jeder, der die Religion ihrer Innerlichkeit nach ersas;t, das Geständnis; oblegen müssen, daß eö höchst traurig ist, wenn die religiöse Anschauung in dem Scheiden des Alleräußerlichsten daS Wesentlichste erblickt, den Magen zum Sitze des religiösen Lebens macht, daß die Religion von der Küche cmancipirt werden müsse, daß eine, wahrhaft allgemeine menschliche Religiosität, der Zielpunkt des JudenthnmS, jene herrliche messianische Verbrüderung der Menschheit, nicht erreicht werden könne, wenn Speisen und Geschirre daS unterscheidende Schiboleth zwischen verschiedenen NeligionSbekenuern bleiben sollen. Allein andererseits wird man eö auch nicht leugnen können: die Speisegcsctze haben sich so tief in die jüdische Gcsammthcit eingelebt, daß bis jeyt nur ein geringer Thcil sie nicht als ein Hauptstück deö Iudenihumö betrachtet, daß selbst die überwiegende Mehrzahl derer, welche die Beobachtung derselben ganz oder zu Zeiten und unter Umstanden aufgebcn, die Berechtigung dazu nicht in ihrer andern Auffassung des Indenjhums finden, sondern in ihrer individuellen Freiheit, diese Vorschrift deö Iudenthumö zu ignoriren. Dieser Glaube nun, daß die Speisegesetze mit zum unveränderlichen Wesen des Iudenthumö und zu der ihm auch in seiner gegenwärtigen Entwickelnngsstufe naturgemäßen Erscheinung gehören, mag ein irriger sein, allein darum ist er dennoch verbreitet und wurzelt tief, und erst der umfassenden Berichtigung der Begriffe über Judenthum und dessen Gehalt wird cS gelingen, auch diesen Jrrthum zu verbannen. Nimmermehr aber würde Dieö geht einem raschen Auöspruche der N.-V. gelingen. Wenn Märlnsr, welche auf der Höhe der wissenschaftlichen jüdischen Theologie stehn, wie Holdheim und Einhorn, selbst darüber