Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 2
- Article
- Materialien zu einem Commissionsbericht über die Speisegesetze
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 19)
- Language
- German
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69!. Die Speisegesehe. Ziehungen, die ihre Anwendbarleit bedingen, teilweise unterbrochen seien, in ihrer idealen Geltung aber fortbestehen und nach Nestitunou der Theokratie in ihrem ganzen Umfang wieder zur Anwendüng kommen werden. Wir bekennen offen, daß nach einer freien Bibelinterpretatlon, sofern wir an die fortdauernde Verbindlichkeit deö mosaischen Gesetzes glauben, wir genöthigt seien, eS mit den Speise- und ReinigkcitSgesetzeri gleich den Karaiten noch viel strenger zn nehmen, da uns die Erleichterung der Tradition nicht Zu Gute kommen kqnn. Wir scheuen also das unumwundene Geständnis) nicht, daß die R-inigkeitögesetze, in welchen nach der freiern Ansicht die Speisrvcrbote Lev. 11 wurzeln, in dem bisherigen Illdenthum nicht abrogirt worden, weder von dem thalmudlschm noch von dem karaitischen. Aber ich behaupte, daß wir sie abrogircn, d. h. ihre religiöse Verbindlichkeit für die gegenwärtige Iudcnheit als erloschen erklären dürfen. Fragt man: Mit welchem Recht? so antworten wir, weil wir an ihre Verbindlichkeit nicht glauben, weil wir, wenn wir unser Religionsbewußtsein fragen, von diesem den entschiedenen AuSspruch vernehmen'. die mosaische Theokratie und das in derselben geltende symbolische Eercmonialgcfttz eristirt nicht mehr, ist von der fortschreitenden geschichtlichen Entwickelung längst vernichtet und überwunden worden. Wir glauben an keine Wiederherstellung deö Tempel- und Opfcrrituö und halten alle damit verbundenen symbolischen Riten und Institutionen für längst vergangene Erscheinungen, die für.unS ihre religiöse Geltung cingebüßt. Wir sind der bivlisch'symbolischen ReligionSsphäre, so sehr man sich dagegen sträuben mag, längst entrückt. Für unö ist der Zusammenhang der äußerlichen symbolischen Heiligkeit und Reinheit mit sittlicher Heiligkeit und Reinheit, so sehr er im biblischen Alterthum bestand, durchschnitten und aufgelöst. Priester-, Tempel- und Opferheiligkeir hat für unö keine Bedeutung mehr, ebensowenig die Unreinheit der Thiere oder deö menschlichen Leichnams. Wir sind aus dem ganzen Gedankenkreis deö Alterthumö herauSgetrcten, und keine Macht kann uns wieder in sie Hineinzaubern. Waö einst heilig und rem war, hat ausg.ehört ein solches zu sein, ebenso daS, was einst als unrein und rmheilig gegolten. Wir kennen keine andere Heiligkeit als eine sittliche und haben keinerl Begriff mehr vom Unreinen als