Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 2
- Article
- Materialien zu einem Commissionsbericht über die Speisegesetze
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 18)
- Language
- German
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58 I. Die Speiscgefttze. nicht biS zur Geltung durchdrang und man nach dieser vielmehr durch das bloße Essen der unreinen Speisen sich keine Verunreinigung zuzog, so ist dies ein Beweis, daß neben der rabbinischen Schriftdeutung eine nüchterne Eregesc der Karaiteu nicht gan; hat unterdrückt werden können. Im N. T. werden bekanntlich die verbotenen Speisen vom Gesichtspunkt der symbolischen Reinheit ausgefaßt (A. G. 10, 1-L. In) nnd ist diese Allssassiulg in der Kirche die herrschende, wenn ihr auch von Michaelis Bios. Recht Tb. ä. S. 202 ss. widersprochen wird. GS hat unS daher befteuldet, daß Einhorn diesen Gcsichtspullkt, daß die Spcisegesetze mit den ^lieinheitöge setzen identisch scielt, so gan; neu findet. Selbst in netterer Zeit hat der selige E reize nach in stillem Thariag S. 50 dasselbe gesagt. „Überhaupt," meint er „wird es -ei den verbotenen Speisen oft ungewiß, wenn man die Tradition nicht zu Hülfe nimmt, ob sie schlechtweg oder als RcimgungSgesetze unv blos in Beziehung aus den Tempcldienst zu nehmen sind. Der Thasmnd erklärt sich unbedingt für die erste Meinung." Freilich begegnen wir hier demselben Jrrrhum, den auch Gin Hern begangen hat, denn wenn man die Tradition nicht zu Hülfe nimmt, sind die Ncinigkeitsgesche nicht bloö in Beziehung auf den Tcmpeldienst zu nehmen und haben außer diesen ihre Geltung. Ebenso unrichtig schreibt Hirsch (Israelit 1840. Nr. 20. S. 157): „Ul,rein ist ein solches Geschirr auch biblisch; aber diese Unreinheit beziehet sich nur auf den Tempel und ist. wie die siebentägige Unreinheit bei Berührung der Richen, laugst aus der praktischen Geltung geschwunden." Grstercü ist nur rabbiuisch wahr, aber nicht biblisch, letzteres auch rabbiinsch unrichtig. Mir können nach obiger Erörterung über unsere Ansicht hinsichtlich der religiösen Geltung der Speisegcsetze uuS kurz fassen. Wir betrachten es als feststehendes Resultat, daß in der Bibel die S^ciseverbote mit den Neinigkcilögesetzen, d. h. mit der ganzen Idee der symbolischen Reinheit nnd Heiligkeit innerhalb der mosaischen Theokratie, innig Zusammenhänge. Wir machen kein Hehl daraus, daß das thalmndische Indenthum die Ewigkeit der Theokratie, mit andern Worten, die Ewigkeit des ganzen mosaischen Cercmonialgesetzes fest und unerschütterlich glaube und daß in Folge dieses Glaubens die Relnheitögeseye wie viele andere nur in Ermangelung der Be-