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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1847-01-01 · Heft 2 · p. Seite 55

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1847
Issue
Heft 2
Article
Materialien zu einem Commissionsbericht über die Speisegesetze
Date
1847-01-01
Page
Seite 55 (sequence 12)
Language
German
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22 I. Die Speisegesetze. dieselben Gesetze als ewig verbindlich erklärt, verleugnen? Daö rhalmudische Judenthum hat die Neinigkeilögesctze nach Einhorn abgcschaffk, hält aber die Speisegcsctze als selbstständige snr alle Ewigkeit fest. Wir bestreiten diese Selbstständigkeit und wollen sie dennoch abschassen, weil der Thalmud die nach seiner Ansicht mit ihnen nicht zusammenhängenden Neinigkeitsgcsetze auster Verbindlichkeit erklärt. Das Heißt von zwei streitigen Ansichten überall die «rleichienide hcrvorhebcn chz Wurde der Thalmud die Speisegesctze mit den Ncinigkeilsgesetzen für identisch gehalten, haben, er halte die letztern um der ersten willen sicherlich nicht abgeschasft. Und wir sollen, auf den Thalmud uns berufend, die biblischen Neinigkcitö- und Speisegesctze so ohne Weiteres abschaffen dürfen? Einhorn gesteht selber ein, daß die, Karairen, weil sie die Bibel richtiger auslegcn, die Berührung des Unreinen noch jetzt sür Sünde halten. Sie sind also consequenter und machen von der rabbinischcn Erleichterung keinen Gebrauch, wo sie den Schnflstnn gegen sich hat. Mil welchem Recht null Einhorn, nachdem er die thalmudische Eregcse als falsch nachgcwicsen, die auf solcher Eregese gestützte Erleichterung für sich geltend machen? Denn das ist unstreitig gewiß, daß nach den Nabbinen die Reinigkcitsgesetzc nur deshalb jetzt nach der Tempelzersiörung zum größten Thcil außer Gebrauch gekommen sind, weil sie ursprünglich nur in ihren Beziehungen zum Tempel und den gebräuchlichen Heiligkeiten ihre biblische Geltung hatten und ihnen jetzt, wo die Beziehungen aufgehört haben, die Anwendbarkeit fehlt. Dies hängt mit ihrer Ansicht von dem Ncinheüögcsttz zusammen. Ist diese Ansicht falsch, darf sich der Jude unabhängig von diesen nunmehr unterbrochenen Beziehungen an und sür sich nicht verunreinigen, ist, wie Einhorn nachgcwicsen, die Verunreinigung Sünde und muß durch ein Opfer gesühnt werden, wie kann matt dann mit dem Thalmud behaupten, die Neinigkeitsgcsetze seien nach der Ternpelzcrstörung Ihatsächlich aufgehoben? Was haben die selbstständigen Neinigkeitögesctze mit dem Tempel zu schaffen? Ich muß mich über Einhorn wundern, wie er, nachdem er das Spinngewebe der thalmudischm Ansicht zrrriffen, sich selbst darin verstricken konnte. Die Karaiten, bemerkt Einhorn beiläufig, halten noch gegenwärtig die Berührung deö Unreinen für Sünde, weil, wie er meint.

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