Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die religiösen Thaten der Gegenwart im Judenthume
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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!. Die religiösen Lhaten der Gegenwart. 1Z phetiSmuSanstreifend, von dem höheren Werthe deS GebcteS als der Opfer; aber wie ist doch der ganze thalmudische Mensch, wenn eü zur Thal geht, an die Sehnsucht nach Wiederherstellung deS Opferdicnstcö geknüpft! Ja, die Halachah bat, wie Holeheim eü später richtig selbst ausgesprochen, Nichts aufgehoben, sondern Alles, wenn sie die -Abweichung'zuzugestehen gezwungen war, nur aufgeschoben, sic hat bloü zugegeben, die Ausführung sei jetzt unmöglich und trete unter günstigen Umständen alsbald wieder ein, und diese günstigen ilmstände müßten daher erfleht werden. Indem Holdheim aber später zu dieser Einsicht gelangte, so ist ihm meist bloß diese negative Seite geblieben, sein Streben gehl dahin, unö als im vollsten Widerspruche mit dem Thalmud und selbst rhcilweise mit der Bibel darzustellen, und Thalmud und Bibel sind ihm Wort und Buchstabe derselben, nicht der schöpferische Geist, der in geheimer Werkstätte wirkt, oft selbst den Menschen unbewußt, die von ihn: getrieben werden. Erklären wir z. B., daß die Sabbathrnhe höheren Pflichten weichen müsse, wenn und solange sie nicht mit einander bestehen können, finden nur, daß auch der Thalmud diesen Grundsatz, wenn auch möglichst eingeengt, in sich walten lassen muß, wenn er den Sabbalh durch die ihm heiligsten Pflichten, Opserdienst und Veschneidung, durch die dringendsten. LebenSrückfichten,. persönliche Lebensgefahr, „wegstoßen" läßt, so weist uns Holdheim scharfsinnig und gelehrt nach, daß der Thalmud Dies dem Staatsdienste gegenüber nicht rhun würde, so beschwört er dis rabbinischen Celebritäten, um ihm Zeugnist abzutegen, daß der Sabbath allen andern Pflichten gegenüber nicht aufgehoben sei, sondern bloS augenblicklich weiche. Als wollten wir eine vollkommene Einigung mit dem Thalmud erzielen, als wollten wir unsere Ansichten von Nab und Samuel oder gar von Nissim ben -Rüben und Bidal de Tolosa vertreten wissen! Sehn wir in der Bibel als tiefern Grund deS Sabbalhö die Weihe des Tages und die Weche deS Menschen an diesem Tage, behaupten wir, daß die bestimmte Ausprägung der Form, mit welcher ein jeder religiöse Gedanke in dem Pentateuchs auftritt, die Nuhe in den Vordergrund drangen mußte, während die Weihe, obgleich der Grund des Ganzen, mit kurzem Auödrucke einleitend sich begnügen muß, daß wir jedoch nunmehr auf dm Grund gehen müssen und dis Fvrm bloö soweit zu achten