Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die religiösen Thaten der Gegenwart im Judenthume
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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12 l. Die religiösen Lhaten der Gegenwort. und auf die Heranknnst eines Reiches der Wahrheit und der Erkenntniß, der Gerechtigkeit und der Liebe — diese Idee, mit welcher daö Indenthum scharf sich sondernd in die Weltgeschichte eintrat, sei zuerst, wie Dieö der nothwendige geschichtliche Gang sei, in dem gcsctzlich'priestcrlichen Iudenthume mit der ganzen Bestimmtheit von Pflichten und Anforderungen, Vorschriften und Branchen, angemessen den bestimmten Lebensverhaltnissen und Vorgefundenen Litten und Vorstellungen, hervorgetreten, habe sich in dem innerlich-prophetischen Iudenthume mehr zu enthüllen verflicht, zwar nicht ganz die Hülle abgestreifr, aber doch die Form alö das Unwesentlichere erklärt und Gesinnung und Überzeugung als die Träger der Sittlichkeit und Religiosität proclamirt. Allein thcilö der Gang der innern Entwickelung, theils traurige äußere Einflüsse haben mit der Herstellung des zweiten jüdischen Staates, besonders aber im thalmudischen und rabbinischen Zeitalter den Autoritätsglauben begünstigt, die Formen vor Allem gckräftigt und auögesponnen, die äußerliche juristische Abwägung an die Stelle der innerlichen religiösen Würdigung gesetzt, ohne daß jedoch die Iece ganz und gar erstickt worden wäre. Tie historische Richtung in der Reform verkannte es nicht, daß der Thalmud und der ihm folgende Rabbiius,uns, seinen Absichten und mit Bewußtsein aufgenommenen Grundsätzen nach, durchaus eine jede Entwickelung verdrängen, mit abgöttischer Verehrung die überkommene Form ohne Frage nach deren Begründung und Einwirkung sesthalten wollte, aber andererseits erkannte sie es auch, daß diese Entwickelung, oft in trüber Weise, dennoch nach deu neu gewonnenen, wenn auch nicht immer richtigen, Vorstellungen vor sich gegangen sei, waS der Tbalmnd nur auf gezwungene Weise zu beseitigen suche, thcilö durch Um- und Mißdeutung älterer Anöfprüche und Vorfälle, thcilö durch die aus der Luft gegriffene Behauptung, es sei auch Dies frühere Bestimmung gewesen, die bloö vergessen oder die für spätere Zeiten ausdrücklich Vorbehalten worden. Sie übersah eö auch nicht, daß die Idee sich doch in Äußerungen und stillschweigend angenommenen Änderungen, welche der angeregte Lebensdrang unternommen, sich Raum gemacht habe, und sie erkannte hier, wie der Geist des Judenthumö, wenn auch verkümmert und zurüügcdrängt, trotz aller Mühe nicht gebannt werden konnte, und