Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1847
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die religiösen Thaten der Gegenwart im Judenthume
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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l. Die religiösen Thaten der Gegenwart. 9 wenn auch mehr geahnten als erkannten allgemeinen Bewußtseins gegenüber bekämpft werden müssen, nein! sie sind "M vielmehr die Träger dieses Bewußtseins. „Wo seht ihr, fragt er, daß daö Volk sich zusammenschart, um Daö und Jenes hinwegzuräumen, wo hat eö sein Verlangen danach ausgesprochen? Steht eö nicht vielmehr mit voller Gluth auf, um eö zu wahren, wenn eö ihm entrissen werden soll? Mit innigem religiösem Gefühle hängt es daran, eö nährt sein Gemüth damit,' ja daS Gemüth hat .eine wichtige Stimme in solchen Angelegenheiten, mordet eö nicht mit eurem kalten Verstände!" Wie viele Schiefheit und Verblendung liegt nicht in diesen Behauptungen! Dieses Bewußtsein, von dem wir sprechen, ist allerdings noch nicht eine volle, klare Erkenntnis), aber eö ist ein tiefeö, innerliches, daö, trotzdem daß eö bei dem Volke im Geiste noch nicht seine bestimmte Gestalt, in der Äußerung noch nicht seinen bestimmten Auödruck gesunden hat, dennoch bereits daö Leben beherrscht, mehr negirend als ponirend sich erweist, gerade weil ihr ihm eine bestimmte Fassung, eine adäguate Gestaltung noch nicht gegeben habt. Ja, daö Volk wi'uhct auch zuweilen gegen sein besseres Ich, aber ihr, die ihr euch die Einsichtigen dünkt, sollt euch von diesen! Mangel an Selbsterkenntnis) verleiten lassen? Man hat freilich auch dann nicht das Recht zu zwingen, aber wohl das Recht und die Pflicht zu fordern und da, wo die Gestaltung erfolgt ist, sie f,endig zu billigen. Böte dem innersten religiösen, Verlangen die hebräische Sprache wirklich Nahrung, man würde sich bemühen, sie sich immer mehr eigen zu machen, seinen Kindern sie als ein unentreißbareö Gut zu überliefern. Früher war sie zwar auch nicht daö innerste Wesen des Inden, aber sie war die tägliche Nahrung vom Morgen bis zum Abende dcö Lebens, und auch die Nahrung wird zur Substanz; heute labt Geist und Gemüth sich an der vaterländischen Sprache, die hebräische ist und bleibt höchstens ein äußerlich Erlerntes. Die Hoffnung ans den persönlichen Messiaö,.die Wiederherstellung Jerusalems und dcö Tempels war früher der Inhalt aller beruhigenden Hoffnungen; jetzt ist sie zum Gegenstände des Zweifels und der Gleichgültigkeit, wenn nicht gar zum Gespotte, geworden, mit unserer Anhänglichkeit an dem deutschen Vaterlande im vollsten Widerspruche. Man hat diese Hoffnung als den zeitlichen, veralteten