Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jüdische Zeitschriften
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 474 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2929020-2929041-2929045-2932499--3147-2932592- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
474 Nachrichten. in die vor Alter unwegsamen Gänge, wo man ohne sichern Führer sich überall den Pfad selbst erst durchhauen muß, hält sich vielmehr lieber an die Wege, welche über die verschütteten Gänge gewöhnlich worden sind, bleibt bei den herkömmlichen Einnahmen und findet es ziemlich verdächtig, daran Hand anzulegen; die sinnliche Gluth, welche den Jtaliäner umfängt, wandelt einen jeden philosophischen Anflug in mystische Schwärmerei um, und die Sehnsucht nach der sinnlichen Form läßt ihn am Aberglauben haften. Luzzatto steht in seiner Bildung hoch über diesem gewöhnlichen Niveau, er hat einen gesunden kritischen Sinn, wenn seine Kritik auch mehr eine philologische ist, er ist der Kabbalah und dem Aberglauben von Herzen gram; aber dennoch ist ihm die Kritik sehr bald verdächtig als ein Nutteln an der Grundlage, die jedoch gar verborgene Schachte unter sich haben und vielleicht eine bloße verfestigte Ausströmung der unterirdischen bewegenden Kräfte sein mag, er hat eine wahre Scheu vor der Philosophie, selbst in dem Alten, einem E. E , einem Maimonides, ist sie ihm widerwärtig, Md seine HeißM reißt ihn rasch zu Ausbrüchen hin, denen seine natürliche GuLmüthigkrit und Gefälligkeit, seine Liebe zur Verbreitung der Wissenschaft und seine Achtung der Gelehrten nicht genügenden Widerstand leisten können. — Sehr verschieden ausgeprägt ist der polnische Charakter. Eitelkeit ist der hervorstechendste Zug; ein reiches Wissen wird angestrebt, und man fühlt sich ebenso verletzt und beschämt durch das Eingeständniß, von einem Andern, zu lernen wie durch den Nachweis, daß man diese oder jene Stelle übersehen habe, hingegen ist das gerade die größte Freude des Gegners, diese beschämende Tharsache an s Licht zu bringen. Doch kann das Wissen an sich nicht genügen, Venn dieses steht einem Jeden durch den Fleiß offen, und das anszeichnende Eigenthum kann blos die geistige Kraft sein, die sich daran übtgleichviel wie, wnn nur die Kraft sich zeigt; also der Scharfsinn, der umherwirst, Knoten schürzt und löst, durch eine chaotische Masse sich durchwindet und nun durch seine Kunst,, die Überraschungen, die er erzeugt, das bewundernde Ah! des erstaunten Zuhörets oder Lesers abnöthigt, — das ist der höchste Triumph! Daher das unselige Pilpnl- oder richtiger Bilbulwesen, das ekelhaste , daher die widerwärtige Halazah