Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jüdische Zeitschriften
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 450 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2929020-2929041-2929045-2932499--3123-2932568- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
450 Nachrichten, wenig wie uns das Lob, das Herr Cousin diesem Buche reichlich spendet, wundern kann, während uns freilich daS naive Einstimmen der deutsch-jüdischen Blätter Ln diese Lobeserhebungen sehr auffallen muß. In diesem allgemeinen Zwiespalt der Religion mit der Wissenschaft, in diesem Kampfe auf Tod und Leben, der sticht durch ' Frieden und gegenseitige Verschmelzung, sondern durch Vertilgung des einen Theils geschlichtet werden kann, ist für jüdische Wissenschaft und jüdische Reform, trotz dem mächtigen Drängen des Lebens und dem leuchtenden Beispiele Deutschlands, wenig. Raum. Nun sind aber auch noch außer dem Elsaße, das bis jetzt einen günstigen Einfluß zu äußern noch nicht fähig ist, die Gemeinden viel zu schwach, um schöpferisch aufzutreten. Im mittleren Frankreich sehr zerstreut, in Paris bei der zahlreichen Gesammtbevolkerung und den dort concentrirten großartigen Interessen fast verschwindend, im mittäglichen Frankreich einer abgelebten Bildungsstufe anhänglich, der mittelalterlich-spanischen und provenzalischen, die ehedem lebensvoll, seitdem gar sehr zusammengeschrumpst ist und außer dem äußern Anstande und der Ehrenhaftigkeit nichts als die frühem Jrrthümer zu retten wußte, daher der Gegenwart ziemlich fremd stehend — so-sind die Elemente, die zwar ein lockeres äußeres Consistorialband verbindet, die aber keiner wahrhaften Gemeinschaft sich bewußt sind. Daß aus diesen bis jetzt noch kein erquickliches Leben hervorgehen konnte, ist sehr erklärlich. Um so rühmlicher ist daS Streben Cahen's, um so erfreulicher die Regsamkeit Einzelner, die geistige Einheit der Bekenner des Jndenthums wird sich auch hier trotz so vielen ungünstigen Umständen in ihrer Kraft bewähren. Nicht besser ist es in England. Die herrschende Religion ist dort — ein Katholicismus ohne Papst, und dieser Katholicismus wetteifert mit dem rörnifchen, ja übertrifft ihn an Engherzigkeit, steht ihm an Geschmeidigkeit nach; der Puseyismus ist die noth-' wendige Consequenz desselben. Eine wissenschaftliche Theologie ist dort ganz unbekannt, eine von Vorn herein praktische und erbau- ' liche wird allein geachtet. DaS Iudenthum muß in gleicher Gestalt verharren; entweder ein herrschendes mit allen Verhärtungen deS Bestehenden, von dem daS Leben nur Einiges abbröckeln kann, oder Dissenters, wie die neue Synagoge, die aber, blos auf Befriedigung der eignen praktischen Bedürfnisse auSgehen und ein