Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruno Bauer und die Juden [Rezension]
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 362 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2929020-2929041-2929044-2932214--3028-2932462- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
362 Recknsionen. rrmniiselle, den engen Kreis de-r Comptoirstube als seine Wirkungs- Mte an, urrd dennoch trat er als ein freier Mann auf den öffentlichen M»nkt des Lebens, und gierig lauschten ihm Deutschland'S! edelste Söhne; die Verdächtigung druckte auf ihn von beiden Seiten ihre giftigen Pfeile ab, auch die Anerkennung verschonte ihn nicht mit ihrer Zudringlichkeit, er mußte an sich selbst den Menschen gekränkt, an seinen Glaubensbrüdern das Ebenbild Gottes entwür- ' digt sehen, und seine Liebe zur Menschheit ward nicht getrübt, die Lheiluahme für seine Leidensbrüder ward nur um so inniger.! Allein Vorsicht hatte er gelernt, und sein Vertrauen auf die Macht des freien Geistes war, wenn auch ein festes, doch nicht ein so rasches, er wußte, daß erst auf Grundlagen, die allmälig erstarken,! die Freiheit ihren Tempel errichten könne, daß Siege, in trunkenem; Muthe, durch überraschende Kühnheit gewonnen, keine Dauer haben, und er eignete die schwere Kunst sich an, sich selbst zu bewältigen, seine Schritte ernst und besonnen zu prüfen und nicht mit stürmischem Drange hinauszustürzen. Und so ward er ein Lehrer der Menschheit, zumal des deutschen Volkes, so ward er der Befreier der Juden. Er bahnte freilich nicht neue Wege für Deutschland, er erhob sich nicht zu größerer Höhe der Speculation, als seine Zeit sie bereits erreicht hatte, aber er lehrte das deutsche Volk Unbefangenheit und Liebe, mit ruhig eindringender, aber unwiderstehlicher Macht errang er dem Menschen die Ehre und Aner- ' kennung/ er riß den Juden nicht aus seiner, ganzen historischen i Stellung, ja er kannte das Gesetz der Entwickelung und wollte es nicht übersprungen wissen, er fürchtete sogar, und mit Recht, den zu raschen Umschwung, aber er bahnte weise und mit Erfolg die Wege, welche die Entwickelung zu gehen hatte. Und so ist sein Andenken für das ganze Deutschland, für die ganze Judenheit ein gesegnetes'. Da kommen null die Klügler, welche als Spätergeborene, die Früchte jener mühsamen Geistesarbeit der Früheren genießen, und blicken mit übermüthigem Hohne auf den weisen Mann und schmähen ihn. Der Eine (Hartmaun) nennt ihn einen - Heuchler, der Andere glaubt ihn mit seinem Dictatorschritt niedertreten, aus der Geschichte streichen zu können. Geduldet euch, ihr Herren, die Geschichte wird euch unparteiisch antworten: - „Moses Mendelssohn, sagt Bauer (S. 9), starb vor Gram,