Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruno Bauer und die Juden [Rezension]
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 27)
- Language
- German
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Bruno Bauer und die Juden. 33t ein eigentümlicher Reiz; ja auch die ganz freien Schöpfungen des Geistes, welche Unchristliches und Widerchristliches an sich tragen, welche vielleicht ausdrücklich gegen das Christenthum protestirm, sie sind mindestens im Gegensätze gegen die mächtige weite Entfaltung des christlichen Geistes erzeugt worden, die Fragen waren alle, wenn auch zum Theile einseitig und unfrei, aufgeworfen und gelöst, das Material war vorhanden, es bedurfte blos des Künstlers, ihm die rechte Form zu geben. Allein das Judenthum hat sich immer abgesperrt, war der Bildung unzugänglich, dumpf und verhüllt ließ es keine Entwickelung, keine Lösung irgend einer Frage voll seinem beschränkten Standpunkte zu, und wenn Jemand aus seinem Schooße, von innerem mächtigen Geiste getrieben, den höhern Interessen der Menschheit sich hinzuwenden sich gedrungen fühlte, so mußte er alsbald mit dem Judenthum brechen, Nahrung konnte ihm. blos die christliche Bildung geben, mochte er auch mit deren religiösem Gehalte, wie eben Spinoza, nicht in Einverständniß bleiben. — Schon der auffallende Umstand, daß von einem und demselben Standpunkte aus so widersprechende Urtheile über eine geschichtliche Erscheinung abgegeben werden, zeigt, daß beide Urtheile einseitig abgefaßt sind. Denn Bauer und die Andern, welche wir hier sprechen liehen, legen beide an das Christenthunr den Maaßstab allgemein menschlicher Bildung, inwiefern jenes nämlich mit dieser verträglich sei, auf sie fördernd oder hemmend einwirke, und während Bauer, von dieser Betrachtung geleitet, über das Christenthum sein Verdammnngsurtheil auszusprechen sich berechtigt glaubt, sehen Andere, sich in der Überzeugung bestärkt, daß nur durch das Christenthum die Bildung erzeugt worden over doch zu solcher Höhe sich aufgeschwuugen hat; wenn so schneidend entgegengesetzte Urtheile über eine Erscheinung sich geltend machen, die zu ihrer Beurteilung eine solche Fülle von Thatsachen in einem achtzehnhundertjährigen Zeitraum^ an die Hand giebt, so muß gewiß von beiden Seiten die Subjeetivita't sehr voreingenommen sein, und beide müssen eine sehr starke Berichtigung verdienen. Und in der That erkennen wir bald, daß, während Bauer mit abstrakten Voraussetzungen an die Entscheidung geht und auch nach diesen die geschichtlichen Thatsachen sich auswählt und zurechtsetzt — worüber später ausführlich abgehandelt werden soll — die