Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruno Bauer und die Juden [Rezension]
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 350 (sequence 26)
- Language
- German
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330 Recenfionen. war, als er sein System schuf?" Ist Dies nicht wieder bloö eine Phrase der gehässigen Sophistik? — Nein, möchte man vielleicht erwidern, zwischen den christlichen Heroen der Geschichte und dem? Juden Spinoza ist noch ein großer Unterschied; jene blieben ihren j christlichen Überzeugungen treu, während sie Skaatsumbildner, Denker ' und Künstler waren, Spinoza aber hatte seine Anhänglichkeit am Judenthume schon längst aufgegeben, als er sein System schuf, im Christenthume liegt also die Möglichkeit, sich mit der Arbeit und den Resultaten höherer Civilisation und Cultur zu verbinden, aber nicht im Judenthume. Falsch, erwidere ich in Bauer's Sinne, wenn jene christlichen Heroen wirklich gute Christen zu sein vermeinten, so waren sie in einer jämmerlichen Selbsttäuschung, denn dem Christenthume sind Kunst und Wissenschaft noch mehr „unmöglich und daher streng verboten" als dem Judenthume; sie waren also nicht blos vom Christenthume in Wahrheit abgesallen, sondern sie waren auch Schwachköpfe, die in dem einen Augenblicke, während sie sich ihrer preiswürdigen menschlichen Aufgabe Hingaben, das Christenthum verleugnten und doch an ihm festzuhalten glaubten, in dem andern, wennsie' sich ins Christenthum versenkten, ihren eigentümlichen Menschenberuf dahin gaben und doch in ihm den wesentlichen Gehalt ihres Lebens fanden: nur der einzige Jude Spinoza war sich klar über sein Streben und fern von aller Täuschung, er war Denker und wollte nicht Jude sein. Käme es uns hier lediglich darauf an, unsere Sache gegen! Bauer zu' vertheidigen und diesen in seinen eigenen Schlingen zu fangen, so dächten wir, diesen Punkt erschöpft zu haben; allein der Worwurf, den Bauer hier in einseitiger und schroffer Weise ausspricht, uneingedenk seiner ebenso gehässigen Auffassung des Christenu thums, derselbe Vorwurf wird von Andern wiederholt, in deren Munde er seinen innern Widerspruch verliert, weil sie dem Christenthume eine ganz andere Bedeutung einräumen. Das Christenthum, sagen sie, ist die Spitze, ist die Mutter der Civilisation, unter dm christlichen Völkern sind Künste und Wissenschaften erst zu ihrer wahren Hohe gelangt, selbst zu jenen Zeiten, da das Christenthum noch nicht geistig frei entfaltet war, wußte es doch sich mit den Blüthen der höhern Bildung zu vermählen und wenn es auch da zuweilen groteske Gestalten hervorbrachteso liegt in ihnen gerade!