Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruno Bauer und die Juden [Rezension]
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 349 (sequence 25)
- Language
- German
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349 Bruno Bauer und die Juden. mögen wir nochmals die Frage stellen: Wer hat seit achtzehn Jahrhunderten zur Staatsentwickelung beigetragen, die Kunst geschaffen und die Wissenschaften ausgebildet? Wie beantworten wir die Frage in Bauer's Sinne? Die Juden sind natürlich von dieser ganzen Thätigkeit ausgeschlossen; aber die Christen? - Nun, die Christen, welche jeden Volksbegriff zerstört haben, während das Judenthum doch noch, inconsequent genug, das'jüdische Volk retten wollte, die können wahrlich nicht „über die Theorie der Staatsverfassungen gesonnen" und zu deren Entwickelung beigerragen haben; die Christen, in ihrem Nichtigkeitsgefuhle, in der egoistischen und hypochondrischen Sorge für sich selbst, in ihrer Bedürftigkeit, sie konnten für Kunst und Wissenschaft Nichts leisten, — der Namen einer christlichen Kunst ist ein Widerspruch in sich, ein viereckiger Kreis. Allein die Geschichte bewahrt uns ja die großen Thaten auf, welche die Heranbildung der Völker" und Staaten zu ihrem Erfolge hatten, Thaten von Männern, welche im Schooße des Christenthums gezeugt und von ihm genährt wurden? liegen sie nicht vor uns die Werke voll Tiefsinns, die die Wissenschaften förderten, staunen wir nicht noch heute an die Gebilde der Kunst, die christliche Geister hervorgebracht? Wohl, müssen wir in Bauers Sinne antworten, aber als die Helden in die Schlacht zogen um Bewahrung des Volkswohles und der Freiheit des Vaterlandes, als Fürsten und Völker an der Vollendung des Staatsorganismus arbeiteten, als die Denker sich in die Erfassung der höchsten Fragen vertieften, als des Künstlers genialer Geist den Stein und die Leinwand belebte, aus dem Borne der Begeisterung schöpfte: da warm sie allesammt nicht Christen, nicht ihnen, als Christen, verdanken wir diese Schöpfungen, vielmehr trotz dem Christenthume und ihm zuwider, das Kunst und Wissenschaft „unmöglich" macht, in vollem Gegensätze mit ihm, wenn sie sich auch dieses Gegensatzes nicht bewußt gewesen sein mögen, wirkten sie, vorn Geiste der Geschichte, vom wahren Menschengeiste getrieben. Sie mögen ihrer Geburt nach Christen gewesen sein, aber als sie mit am Fortschritte wirkten, da waren sie keine Christen mehr. Nun, steht's mit den Juden nach Bauer schlimmer? brandmarkt es sie nunmehr, daß sie nicht als Juden an der Lösung der Mmschheitsanfgabe mitarbeittten, daß „Spinoza kein Jude mehr