Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruno Bauer und die Juden [Rezension]
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 346 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2929020-2929041-2929044-2932214--3012-2932446- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
346 Röcensionen. seiner Verstocktheit gegen jede innere Entwickelung kennt auch nicht das wahre Geschäft, die hohe Aufgabe der Kritik, wie sie innerlich löset, die gewissermaßen in jeder bedeutenden Erscheinung gefangen liegende Idee aus ihren Fesseln befreit, den Geist den ihm eigentthi'unlichen Leib immer umgestalten und veredlen läßt, sie ist ihm nicht das bald leisere Weben bald stärkere Drängen dieses Geistes selbst; nein, die Kritik ist ihm lediglich die grobe Faust, die gegen den Leib schlägt, ihn gewaltsam zertrümmert, nicht von Innen heraus, sondern von Außen darauf losstürmend. Freilich gegen eine einzelne ganz unbrauchbar gewordene Form verfährst manchmal die höhere allgemeine Entwickelung ähnlich, wenn auch nicht ganz so mechanisch und schonungslos, aber erst nachdem sie alte Mittel zur Lnnern Umbildung erschöpft hat, selbst auch dann wieder sich verbessernd und bereits Weggeworfenes wieder ausnehmend, wenn sie von Terroristen unzeitig gedrängt ward. Allein das ist eine Anomalie in der Geschichte, die wohl nicht immer vermieden werden kann, die aber zur Gesetzlichkeit zu erheben nur dem Unfällen kann, der allen Gesetzen des Geistes Hohn spricht. Also von einer solchen Kritik kann hier natürlich nicht die Rede sein, die Geschichte des Judentums und des Christentums hat sie ebenso Herrn Bauer und dessen Gleichgesinnten aufgespart, wie die Geschichte der Staatenentwickelung es MaraL und Genossen überlassen hat, die Theorie der Freiheit zur mörderischen Wegräumung der „Aristokraten" auszübilden. Ist den Juden eine solche Kritik unbekannt geblieben, so erkennen wir eben daraus ihr Leben innerhalb der Geschichte, innerhalb der gesetzmäßigen Entwickelung, die nimmermehr die ganze Erscheinung auch nach deren Geist und Wesen bekämpft. Allein die wahre Kritik, die sich zu den Erscheinungen geistweckend und formnmbildend verhält, sehen wir die Juden selbst in jener zweiten Phase ihrer Entwickelung immer handhaben, soweit nur die ganze mittelalterliche Einseitigkeit, die auf dieser Stufe selbst schon innerlich nothwendige, noch mehr aber von Außen aufgezwungene Abschließung es nur irgend gestattet. Es wäre Lhöricht, Namen aufzuzählen, da dem Geschichtskundigen die Träger geistiger Bewegung, sonne die Hindernisse, welche ihrem mehr eingreifenden Wirken sich entgegenstellten, hinlänglich bekannt sein müssen. Ich will hier nur an den einen 'Asariah de' Rosst (1570) erinnern,