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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1844-01-01 · Heft 2 · p. Seite 343

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1844
Issue
Heft 2
Article
Bruno Bauer und die Juden [Rezension]
Date
1844-01-01
Page
Seite 343 (sequence 19)
Language
German
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343 Bruno Bauer und die Juden. gerade hier, am unschicklichsten Orte, Bauer des'ganzen A. T. neben dem „mosaischen Gesetzen sich erinnert; sie gab Gesetze, die auf Tempel und Ackerabgaben Beziehungen hatte, auf, weil die Lebensbedingungen ihre Erhaltung durchaus nicht zugaben. Umsoweniger konnte sie nun mit dem nur irgend möglich gebliebenen Alten „zu brechen wagen," umsoweniger konnte es'ihr in den Sinn kommen, „mit dem Alten kämpfen" zu wollen. Sie mußte „die Scherben und Splitter sammeln, in welche daS Alte zerfallen war;" denn dieses war keineswegs durch „den Geist zersprengt, der eine weitere Form sich suchen wollte," wie Bauer vorgiebt, sondern durch eine andere brutale Gewalt, durch eine andere einseitige Volksmdividualität. Mag nun immerhin Bauer die im Thalmud vollzogene Fortbildung des Judenthums „keinen Act der Freiheit" nennen, sie war eben ein nothwendiger Act der Geistesmtwickelung, die verschiedene Stufen hindurchgeht, und es ist sin Verkennen der Fortbildung in der Menschheit und deren einzelnen Theiken, wenn von ihr immer „Heroenthaten der Geschichte" gefordert werden. Vielmehr zuerst immer Verfestigung und einseitige Entwickelung, dann Zersprengung,' innere Vergeistigung, äußere Umgestaltung. Herr Bauer schilt die Henne, daß sie die harte Rinde des Eies erst in sich ausbildet, und daun nun das arme Hühnchen dieselbe durchbrechen muß; immerhin, sie wird es doch ferner so machen. Freilich hätte die ganze Anschauungsweise der Zeit und die äußere Lage freier eingewirkt, so wäre es dem Judenthume erspart worden, so lange und so Lief in die abschüssige Bahn hineinzugerathen. Im Thalmud ist jener hehre Widerspruch zwischen der freieren; allgemeinen Idee und der abschließenden Ausprägung, ist die Freiheit der individuellen Überzeugung, wie sie aus dem sittlichen Bewußtsein sich bildet, keineswegs geschwunden; aber als nun gar auch er zum Abschlüsse gedrängt, als auch seine Ausarbeitung des gesetzlichen Lebens bis ins Kleinlichste hinab stillschweigend verbindlich ward, da war die Freiheit auf ein Minimum angewiesen. Im Thalmud wird oft düs Recht des Lebens, das Recht der geistigen Vertreter der Zeit bald laut anerkannt, bald Ln seinen Folgen angenommen; der spätere Nabbinismus gab Dies kaum in seiner Theorie mehr zu und suchte Ausflucht^ 24*

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