Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruno Bauer und die Juden [Rezension]
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 342 (sequence 18)
- Language
- German
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342 Recensionen» diese durch die ganze Weltlage und durch die Behandlung, die die Juden erfuhren, sehr begünstigt. Hartnäckiges Hineinleben in den eignen einseitigen Standpunkt und dessen Geltendmachung in allen Verhältnissen herrschte bis zu den kleinsten Kreisen hinab; das Verfahren des Judenthums war demnach zeitgerüäß, der ganzen geltenden Anschauungsweise angemessen. War rin jeder Lebenskreis beharrlich abgeschlossen und wohl verwahrt, so waren doppelte Ringmauern gegen die Juden aufgerichtet; der Kampf mit ihnen war nicht, sie in das Gesammtleben chizuführen, sie ihrer Ausschließung zu entreißen — sie hätten dieses Andringens sich nicht erwehren können -—, er war vielmehr auf ihre möglichste Fernhaltung berechnet, oder höchstens wollte man sie in den eignen einseitigen Standpunkt hinemziehen. Wie könnte es anders sein, als daß sie nun auch emsig sich verbarricadirten und sich wiederum vor dem Einbrüche zu schützen suchten, so nur immer tiefer und tiefer die eigne höhere Idee zurückdrängend, die überkommene zeitliche Gestaltung heilig haltend und neue Mißgestalten, weil nicht von dem wahren Geiste erzeugt und belebt, anzwängendr? Wenn nun Bauer (S. 26 u. 27) den Thalmud „eine chimärische, illusorische, geistlose Fortentwickelung des mosaischen Gesetzes und des ganzen A. T." nennt, so zeigt er hier wieder nur zu deutlich, daß er von einer Entwickelung, wie sie in der Geschichte überall und nothweudig hervortritt, nnd von deren Stufen durchaus keinen Begriff hat. Selbst wenn alle äußern Verhältnisse, die ganze übrige Weltlage nicht einen so ungünstigen Einfluß ausgeübt hätten, dis erste Entwicklung des Judenthums hätte dennoch in einer weiteren Verfestigung und Erstarrung bestehen, es hätte „das mosaische Gesetz" dennoch die höchste Geltung und die kleinlichste Ausarbeitung erfahren, es hätte das prophetische Element dennoch zurücktretcn müssen. Gerade das „Zerspalten des Alten," das „Markten und Feilschen mit ihm," dessen verdünnte Wiederholung" ist das wahre Wesen dieser Entwickelungsstufe, das ist gerade ihre naturgemäße Wirklichkeit und nichts weniger als eine Illusion. Sie gab allerdings „wesentliche Lebensbedingungen des Alten" aus, wie sie mußte. Sie setzte den übrigen Inhalt der Bibel hinter den Pentateuch zurück, weil in jenem mehr die Idee in ihrer Allgemeinheit ausgesprochen war, und es ist seltsam, d-aß