Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Entwickelungsgeschichte der hebräischen Sprachkunde, biblischen Exegese und hebräischen Dichtkunst unter den arabischen Juden im zehnten, elften und zwölften Jahrhundert [Rezension]
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 52)
- Language
- German
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312 Recensionen Von weit tiefer eingreifendem Einflüsse auf seine Übersetzung und Erklärung der Bibel war der Karäiömus und sein Sweben,, die auS dessen Grundsätzen sich ergebenden und dem Rabbimsinus im Ganzen wie im Einzelnen zuwiderlaufenden Resultate -abzuwehren. Das thalmudische Verfahren führte in seiner letzten Ausbildung auf der einen Seite eine sehr gewagte, willkürliche Eregese vor, auf der andern zeigte es viele selbstständige Zulhaieu zur Bibel und auch nicht wenige Modificationen derselben. Diestm gegeni)ber"'proelamirten die Karäer den Grundsatz: die Bibel nach nüchternen eregetischen Gesetzen, nur die Bibel und die ganze Bibel! In einer Zeit, wo das Recht der Geschichte und Entwickelung theoretisch nicht anerkannt war, wenn es auch praktisch sich vielfach geltend machte, ließ sich gegen diesen Grundsatz an sich nichts einwenden, und der Streit mußte sich mehr um dessen Anwendung lebt worden, die Saadias ohne Weiteres voraussetzt, tst ihm mit dem Koran gleich und scheint daraus entlehnt. Wenn nun der Karäer AHaron b. Josef im Mibchar, der im I 1294 schrieb, diese Ansicht, auch im Namen derer, welche dieses Gesicht als Wirtliches berichtend auffassen — während er es blos als inneres prophetisches Gesicht betrachtet — anführt (worauf Jost in israelitischen Annalen 1841 Nr. 6 S. 44 und Lippman zu Sh. I. Hinweisen), so ist sie ihm ohne Zweifel ans Saadias oder denen, die ihn bestritten und vertheidigten, nämlich Dunasch (dessen Ansicht er-gleichfalls kennt) n. E. E., bekannt, ohne daß die Vermnthung begründet werde, bereits frühere Erklärer, etwa gar 'Anan, hätten sie ausgestellt. Die Stellen, welche Lippmann im Namen Hamburger's aus den Midraschim anführt, als sei in ihnen schon die Stelle auf Auferstehung bezogen worden, begründen diese Meinung durchaus nicht, vielmehr ist in Bersschith rabbah c. 44 die Erklärung Zishakhar Beer Khohen's in Matthenoth Khehunnah ganz richtig, daß blos eine Andeutung gefunden wird, wenn Israel in leichenähnlichem Zustande sein werde und der Raubvogel nun über sie sich stürzen wolle, das Verdienst Abraham's ihn wegwehen werde; Hamburger jedoch benützt, nach seiner Weise, kritische Fragen, um alberne „Peschätehen" daran zu knüpfen, und Lippmann verunstaltet feine Commentars zu grammatischen und eregetischen Schriften des E. E., wenn er, vielleicht aus Pietät gegen seinen ehemaligen Thatmudlehver, dessen aggadische und halachrsche Schwindeleien mit großen Lobeserhebungen ihnen einverleibt. Es bleibt demnach die im Texte ausgesprochene Behauptung unerschüttert.