Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Entwickelungsgeschichte der hebräischen Sprachkunde, biblischen Exegese und hebräischen Dichtkunst unter den arabischen Juden im zehnten, elften und zwölften Jahrhundert [Rezension]
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 4)
- Language
- German
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264 Recenstonen Hälfte deS achten Jahrhunderts erblicken wie wieder eine raschem-- greifende geistige Thätigkeit, die das Me zu verarbeiten, das Neue sich anzueignen sucht.. Während so das Bedürfnis) gefühlt würde, in die verschlungenen Gänge des Thalmuds Licht zu bringen und aus dem vielstufigen Erze desselben sich die reinen Resultate herauszuarbeiten, begann nun auch der schon früher leise keimende Widerspruch zwischen der th.almudischen Ausdeutung der Bibel und eine* nüchternen Auffassung derselben mit voller Kraft hervorzutreten. Zur Befriedigung des ersteren Bedürfnisses wirkte Simon aus Kahirah Ln den Halakhoth gedoloth, darauf Jehudai Gaon in den Hal. peßukoth, etwas später Achat aus Schabcha in den Scheel thoth, die sich in dieser verdienstlichen Arbeit des Ordnend und Sichtens nur an das Bisherige anzuschließen hatten. Mein schwieriger war es, mit dem genannten mächtigen Widerspruche, der lange niedergehalten, nun um so verheerender hereinbrach, sich auseinanderzusetzen. Zum Vertreter dieses neuen Bewußtseins, das früher von den Saducäern festgehalten war, nun noch eine neue Anregung erhielt in der Spaltung der Araber zwischen den Sunniten, welche auch die auf Mohammed zurückgeführten Traditionen aufnahmen, und den Schiiten, welche strenge an das geschriebene Wort des Korans sich hielten, warf sich ein, Schüler des Jehudai Gaon, 'Anan, auf, der die gänzliche Grundlosigkeit aller Satzungen, welche nicht aus dem natürlichen Wortsinne der Bibel entspringen, behauptete und die Abänderungen, welche der Drang der Zeiten und die neuen Anschauungen im langen Laufe der Jahrhunderte erzeugten, als unberechtigt abwies. 'Anan mit den ihm Gleichgesinnten mußte ausscheideu, indem das Judenthum einen solchen offenen scharfen Widerspruch mit seiner Consequenz, der Negirung einer langen Vergangenheit, nicht ertragen konnte und -Lieber diesen Widerspruch zwischen der thalmudischen Eregese und vem natürlichen SchrMinne, der es schon eine Zeit lang unheimlich beschlich, und der nun schneidender vor das Bewußtsein trat, entweder in friedlicher Weise zu lösen beflissen war oder sich ganz und gar anS dem Sinne schlagen mochte, ebenso die gesetzlichen Zusätze zur Bibel, entweder als in dieser liegend, oder als scimmtlich traditionell befestigte oder über die Frage nach deren Berech-