Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Entwickelungsgeschichte der hebräischen Sprachkunde, biblischen Exegese und hebräischen Dichtkunst unter den arabischen Juden im zehnten, elften und zwölften Jahrhundert [Rezension]
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 3)
- Language
- German
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SaadiaZ. 263 ryungen mit strengster Konsequenz auf das Bibelwort zlrrückgeführt wurden und die Ausdeutung desselbenzu einer sehr künstlichen Methode hinaufgeschraubt wurde, machte sich andererseits die Berechtigung des natürlichen Schriftsinnes leise geltend und man begann derselben eine Anerkennung zu zollen, die nothwendig einen scharfen Widerspruch mit dem ganzen bisherigen Verfahren entwickeln mußte. Allein bevor derselbe in seiner rechten Schärfe zu einer gesunden Kritik als neues bedeutsames Moment sich ausbilden konnte, brachen politische Stürme herein, die das sich regende Bedenken zum Schweigen brachten und den Besitz aus der Vergangenheit zum unabänderlichen für die Zukunft befestigten. Aus den Verwirrungen gestaltete sich endlich in der Mitte des siebenten Jahrh. ein neuer, frische Blüthe verheißender Zustand. Die bisher persischen Provinzen, in welchen die bürgerlichen und gelehrten Häupter der Juden ihren Sitz hatten, kamen unter die Botmäßigkeit des jugendlich kräftigen, sich immer ausdehnenden Araberreiches. Mit derselben jugendlichen Gluth, mit welcher die Araber,, die Bekenner des Islam, die Provinzen sich unterwarfen, eigneten sie sich auch die zerstreuten Keime deS Wissens an, und ihre ungeschwächte Kraft erweckte in dieser Gegend einen neuen geistigen Aufschwung. Die bereits iu's Syrische und Persische übersetzten griechischen philosophischen Werke bewiesen auch unter den ehemaligen Söhnen der Wüste ihre anregende und sittigende Kraft, und gierig lernten sie, die bisher nur umherschweiftnd zu singen und den Ruhm ihres Stammes und ihrer rasch dahrneilenderr Rosse zu verherrlichen wußten, durch die neue Religion zu höherrr geistigen Fragen veranlaßt, was die Weisen eines fremden Volkes in beschaulicher Ruhe erforscht. Mit dem großartigen Sinne, welcher den seiner Übermacht sich bewußten und der eignen Tüchtigkeit froh vertrauenden Sieger vor dem furchtsam schleichenden und ängstlich seine Rechte bewachenden Despoten auszeichnet, behandelten sie die ihnen anheimgefallenen Juden, die sie gerne die gleiche Richtung, die Befestigung de§ Glaubens an die Einheit Gottes, verfolgen sahen und deren geistige Gewandtheit sie unterstützten und benutzten. Aus der Schlaffheit, in welche*die Unruhen sie hinabdrückten, rüttelten sich nun auch die Juden auf, und die alft Liebe zu den Studien erwachte unter ihnen wieder. Mit der 19 *