Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruno Bauer und die Juden
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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230 IV. Bruno Bauer und die Juden. haben wir auch sonst die Philosophie vergessen, dessen erinnern wir uns doch noch: die Juden waren schuldig am Drucke, das heißt nun, sie waren Verbrecher am Geiste der Geschichtet ste sind es noch, wie wollen sie nun in die rege' Entwickelung eintreten? So lange das Vegrisssspiel blos in den Wörtervertauschungen besteht, so mag es als ein .unschuldiges philosophischen Kindern überlassen bleiben; mögen sie sich an der bunten Phantasmagorie, wo das Eine sich so hübsch in das Andere verwechselt und' doch Alles so ruhig auf seinem Platze verbleibt, ergötzen: allein wenn die Kinder mit ihrem bunten Durcheinander uns ins klare, bestimmte Leben greifen wollen und Anderer Lebensglück auch-blos als Stoff zu ihrem Spiele betrachten, nun dann müssen wir ihrem Unwesen zu steuern suchen und sie zu ihren Puppen verweisen., Also die Wahrheit ist die: Düe Juden sind oft gedrückt worden aus purer Böswilligkeit, und weil sie die Schwachen waren, die keinen Widerstand entgegensetzen konnten, und an diesem Drucke waren sie gänzlich unschuldig; es macht, ihnen dies weder Ehre noch Unehre, wohl aber den Drängern Unehre. Der Druck im Ganzen und Großen, den sie zu erdulden hatten, lag aber freilich in der ganzen mittelalterlichen Staatseinrichtung, der Privilegien- oder Feudatstaat hatte sie zu dem tiefsten Stande herabgedrückt, und auch daran waren sie unschuldig, ihre Schwäche wurde mißbraucht, und die kirchliche Meinung sah in ihnen Gegner, die für ihren Widerspruch bestraft werden mußten. Wir wollen hier nicht übersehen, daß der ganze Geist, der Zeit diese Meinungen und mit ihnen den. Druck erzeugt, daher auch den Bedrückern gerne die Verantwortlichkeit abnehmen, aber sie doch andererseits auch nicht den Juden zuwälzen; sie sind und bleiben unschuldig, wenn sie auch durch abweichende Sitten und Glaübmsmeinungm einen Widerspruch gewagt haben, da sie hiermit kein Unrecht und keine Sünde begangen. Und dieser Druck, nicht ihre Schuld, hat auf ihren Charakter und die Entwickelung des Judenthums nachtheilig gewirkt. Dulder warm und sind sie, weil sie nicht die Macht entwickeln konnten und können zur Abwehr der gegen sie ge-