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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1844-01-01 · Heft 2 · p. Seite 228

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1844
Issue
Heft 2
Article
Bruno Bauer und die Juden
Date
1844-01-01
Page
Seite 228 (sequence 30)
Language
German
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228 IV. Bruno Bauer und die Juden. Als Sokrates, so erzählt Platon, den Giftbecher trinken sollte, da weinte einer seiner Schüler schmerzlich : ach, daß du so unschuldig sterben mußt! Wie, erwiederte ihm der Weise, wolltest du lieber, daß ich schuldig stürbe? Thörichter Sokrates! Weißt du nicht, daß du schon allein durch dieses Wort alle' Ehrenhaftigkeit verloren, über dich den, Stab gebrochen, kurz um alle Sympathie des Herrn Bauer dich gebracht hast? Denn zu einem erbärmlichen Spielballe der Laune deiner Gegner hast du dich entwürdigt, ohne daß dir das Verdienst beiwohnte, durch eine Idee, welche den Gesichtskreis deiner beschränkten Richter überragte, dir selbst das Ungemach .zugezogen zu haben. Ach, lieber Freund, hätte wohl auf solchen Einwnnd Sokrates geantwortet: lieber Freund, was mißhandelst du die Sprache und ihre Begriffe? Laß doch sehen, was mit Unschuld bezeichnet wird. Siehe, unser süßer Dichter Jbykos ist von Näubern gemordet worden, er, der kaum den Unmenschen sich zur Gegenwehr setzen konnte, auch ihnen keine 'Veranlassung gegeben hatte, gegen ihn feindlich gesinnt zn sein) ihn nennst auch du unschuldig, weil nicht' seine Anregung die blutige That erzeugt. Und als es kund wurde, daß er dahin, der so oft das Volk entzückt durch die süßen Töne seiner Lyra, da trauerten die Hellenen alle, und noch heute ehren sie sein Andenken. Und hat das Volk nicht recht? Was vermochte er gegen den hinterlistigen Überfall, gegen die Übermacht? Und verschieden sind' die Gaben der Götter) dem Einen haben sie den ergreifenden Gesang, dem Andern den heldenmüthigen Sinn verliehen, wir ehren jede in ihrer Weise und zürnen nicht, wenn die zarten Finger, die so wundervoll die Lyra zu schlagen wissen, nicht mit gleicher Gewandtheit das Schwert schwingen. Nun denke dir aber einmal, Ibykos sei gerade vorübergezogen, als Mörder über einen wehrlosen Mann hergefallen waren, und als er-sah, sie wollten ihm ernstlich ans Leben und der Mann-könne sich aus ihrer Hand nicht retten, da trat er hin zu ihnen mit milder Mede und verwies ihnen ihr grausames Beginnen.und suchte, ihr Herz zu. rühren; sie aber, anstatt auf seine Worte zu hören, wurden erbittert darüber, daß er sie in ihrem Vorhaben stören wolle, und erschlugen auch ihn: wirst du ihn mm wohl einen

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