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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1844-01-01 · Heft 2 · p. Seite 227

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1844
Issue
Heft 2
Article
Bruno Bauer und die Juden
Date
1844-01-01
Page
Seite 227 (sequence 29)
Language
German
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IV. Bruno Bauer und die Juden. 227 für ihre Lebensweise und für ihre Nationalität gelitten haben oder Märtyrer warm. Nun, dann waren sie auch Schuld an dem Druck, den sie erlitten haben, denn sie riefen ihn durch die Anhänglichkeit an ihr Gesetz, an ihre Sprache, an ihr ganzes Wesen hervor." — Wir könnten uns diese Begriffs- Verdrehung — die übrigens nicht einmal das Verdienst der Originalität hat —-ganz wohl gefallen lassen, wenn an solche Verdrehung wicht mit derselben Unklarheit, welche sie erzeugt, falsche Folgerungen sich anschlössen. Also schuldig heißt nicht blos der, welcher gegen das Sittengesetz sich vergeht, sondern auch jener, welcher gegen irgend ein Bestehendes sich auflehnt.. Wir haben dies, wie gesagt, schon einmal von Herrn Forchhammer in Beziehung auf Sokrates aussprechen gehört: Sokrates ist diesem ein Rebell, die ihn zum Tode verurteilenden Athener wackere, staatsgesetzliche Männer, und Soknnes ist mit Recht hingerichtet worden, weil er gegen die bestehende Ansicht von den Göttern gelehrt hatte. Allein verkümmert man hier nicht das Recht, wie es aus der Autorität' der Vernunft hervorgeht, indem man ihm keine Geltung einräumt und es dem Rechte hinopfert, das positiv geworden, das in seiner Unvollkommenheit zufällig irgendwo besteht, das die Gewalt irgendwo ersonnen und mit eiserner Faust aufrecht erhält? Mögen wir immerhin froh sein, für so manche blutige That der Geschichte gegen Wohlthäter der Menschheit diejenigen, welche sie vollzogen, minder verantwortlich zu machen, indem wir die That weniger ihrer Böswilligkeit als ihrer Beschränktheit zuschreiben^ aber sollen wir darum auch den heiligen Begriff des Rechts auf solche That der Beschränktheit übertragen? Nehmen wir immerhin die rothen Vlutgewänder den Richtern des Sokrates ab, mit denen sie seine Schüler angethan, mögen uns die iuguisi- Lorischen Verfolger des Galiläi im mildern Lichte erscheinen, wenn sie durch ihn ihr Heiligstes gefährdet glaubten, auch den mittelalterlichen Henkern und Peinigern der Juden sei Verzeihung, wenn sie 'ein gottgefälliges Werk zu üben glaubten: aber daß wir sie in strahlendes Lichtgewand hüllen —, 'nein dazu wird kein gesundes Gefühl sich verstehen. Und so wollen wir auch den Geplagten ihre Unschuld nicht rauben lassen.

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