Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruno Bauer und die Juden
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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222 5V. Bruno Bauer und die Juden. schaffen müsse? Gesetzt, die'Juden fühlten noch gar nichts von der Unbehaglichkeit, welche sich im harten Kampfe der verschiedenen -Welt- und Lebensanschauungen unserer Zeit bemächtigt, sie wären .so in ihrem Judenthume, in ihrer Abgeschlossenheit versteinert, daß sie; ganz ruhig und befriedigt darin, den ganzen „Schmerz der christlichen-Welt" nicht kennten, so müßte ja gerade, wenn die Zeit nun dennoch, und eben dann, wenn sie aus ihrer Jsolirtheit heraustreten müssen, über sie kömmt, eine um so größere Spannung, ein trostloser Zwiespalt sie ergreifen, sie müßten um ihren ganzen Halt betrogen, innerlich geknickt sein: ist dies Herrn Bauer nicht -Schmerz genug? Und ist es nicht große Vermessenheit, den Juden alle geistige Lheilnahme, alle Mitfreudigkeit und alle Mitleidenheit an der Zeit, abzusprechen? Die Kämpfe, welche jetzt, im jüdischen Leben und in der jüdischen Litteratur sich zeigen, gehören sie gar nicht unserer Zeit an, sind sie nicht ein Momerck der großen Bewegung, der großen Krisis,, die uns Alle erfaßt Hai? Ja, ich und mit mir alle Denkenden unter den Inden, wir nehmen unfern Antheil an der Geistesarbeit, unfern Antheil -<rn den Freuden dieses allgemeinen und über alle Kreise sich verbreitenden neuen Lebens, unfern Antheil auch an den Schmerzen der ein solches Leben begleitenden Kämpfe in Anspruch: nein, wir nehmen nicht in Anspruch., wir behaupten mit Selbstgefühl, wir haben au allen diesen Gütern einen vollen Antheil. Vielleicht in einem kleinern Gebiete, daher mit weniger allgemeinem Geräusche, aber in diesem Gebiete auch um so eoncentrkrter, um so schärfer Mann an Mann- und daher auch heftiger und verwundender. Wir nehmen an den Geburtswehen des Staates Theil; unser Kampf um Emaneipation zielt eben dahin ab, dem Staate mehr als uns seine Freiheit, dem Gliede des Staatskörpers mehr als unfern Personen seine Gesundheit zu verschaffen. Wenn sich uns nun schon in den ersten Anfängen der Staatsfreiheit die Schranke zeigt, wer darf es uns verargen, daß wir erst für die Aufhebung dieser Schranke arbeiten, ehe wir auf die Entwickelung anderer Zustande unsere Kräfte richten? Wer aber untex dem Bürger steht,' sagt Böckh, hat kein Vaterland; ist es uns ja noch gar nicht möglich, den Staat, wie er ist, zu kennen und an ihm uns zu betheiligen: wie könnten wir zu seiner Entwickelung bei-