Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruno Bauer und die Juden
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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214 IV. Bruno Bauer und die Juden. tragt' veredelnde Kraft genug in sich, um die Gesinnung zu heben, und hat Gewalt genug/ um die zur That sich verwirklichende Gesinnung zu unterdrücken. Von diesem einfachen und klaren Grundsätze gehn die Schriftsteller aus, welche , die bürgerliche Gleichstellung für die Juden fordern, und man. müßte sich wahrlich wundern, wie so klare Behauptungen so häufig wiederholt werden müssen und dennoch nicht durchdringen, wenn man leider nicht zu vielfach schon die Erfahrung gemacht hätte, daß das Privilegium nur der Gewalt der Umstände weicht) nimmermehr aber dem klaren, Hellen Rechte. Und dennoch kommen sie, mit diesem gewaffnet und auf dessen endlichen Sieg vertrauend, weil sie nicht mit einem Gnadengeschenke sich begnügen, sondern lediglich durch die Anerkennung ihrer rechtlichen Forderung sich befriedigen wollen) sie betteln nicht und rühren nicht, sondern sie sprechen wie Männer, die ihres Werthes und ihrer gerechten Ansprüche sich bewußt sind. Wenn sie. nun dennoch den tausendjährigen Druck in seinen kleinlichen Plackereien eines Breiteren hervorheben, so geschieht dies, weis sie das Sachverhältniß, das so vielen Wohl- und Übelwollenden noch immer nicht bekannt zu sein scheint — man müßte verzweifeln an der . menschlichen Natur, wenn man annehmen müßte, die Gegner der Emancipation wollten alle jene erbärmlichen "Entziehungen der Lebenslust, die vorgenommen worden und werden, gutheißen — anschaulich vorführen wollen, daß es nicht leichthin übersehen werden könne und nicht ins Blaue hinein geredet werde ohne Kennt«iß des Thatsächtichen. Glauben sie noch ferner damit das Gewissen der Gegner zu schärfen, so mag dies allerdings, wie das Beispiel nur zu häufig zeigt, gewiß, nicht überflüssig sein/ wenn auch freilich der Nutzen nicht so groß sein magz jedenfalls ist es mehr ein Zeichen männlichen Muthes als bettelnder Feigheit, da der Dränger gewöhnlich keineswegeö seine Grausamkeit in ihren einzelnen Thaten gerne vorerzählen hört und eher dadurch unwillig als zur Nachgiebigkeit gestimmt wird.