Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruno Bauer und die Juden
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2929020-2929041-2929044-2932210--2874-2932314- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
213 IV. Bruno Bauer und die Juden. Nationalität, ein abweichender Glaube, auch hie und da ein Kultus in fremder Sprache als Veranlassung zur Ausschließung genommen, wobei noch gar nicht einmal erwähnt werden soll, daß manche Staaten gerade durch Gesetze aus Erhaltung dieser als Übelstände bezeichneten Punkte hinwirken. Während ferner der Verbrecher, bei vollständig erwiesener^ verbrecherischer That, nachdem er die gesetzliche Strafe abgebüßt, wiederum die volle bürgerliche Stellung einnunmt, ohne daß er nach seiner Gesinnung angesehen wird, inwiefern er wieder zu Gesetzesübertretungen geneigt sein könne, indem der Staat einerseits bei dem vollen Vertrauen zu seiner geistigen Macht bei jedem Bewohner auch die gute Gesinnung voraussetzt und der, welcher die Strafe uberstanden, in diese allgemeine Kategorie wieder eintritt, anderntheils auch irr seinen Gesetzen und seiner materiellen Macht genügende Schutzwehr zu haben glaubt gegen die Versuche zu Verbrechen-, werden die Juden wegen der Gesinnung, welche er in ihnen als eine schlechte voraussetzt, bestraft im Mißtrauen der eignen geistigen wie materiellen Macht. Das eben ist der Grundgedanke, den die Emaneipationsvertheidiger hervorheben. Selbst wenn die Juden noch immer eine verschiedene Nationalität hätten — wogegen sie jedoch immer protestiren — nun, unsere Staaten sind keine volkstümlichen: oder ist Österreich mit seinen ganz heterogenen Bestandteilen, Preußen mit der Provinz Posen, selbst der Provinz Preußen, die ja nicht zum deutschen Bunde-gehört, und selbst Schlesien, das theilweise stawischen Ursprungs ist, Frankreich mit seinem deutschen Elsasse und dergleichen, ein auf eine einzige Volksindividualität gegründeter Staat? Und selbst wenn die Juden sich zu einer ganz falschen, keiner Entwickelung und fortschreitenden Veredelung fähigen Religion ^bekennten— und daß dies nicht der Fall, zeigt die Geschichte des Judenthums, worüber noch später—: unsere Staaten basiren nicht auf einem bestimmten kirchlichen Elemente, lassen vielmehr ein jedes einzelne in sich wirken und haben das Vertrauen, daß die Einseitigkeit eines jeden in einem gesunden Organismus sich abstumpfen muß. Und endlich selbst wenn die Juden, sei es nur: woher es wolle, so Lief versunken wären, daß man ihrer Gesinnung nicht vertrauen könne — und wahrlich nur der Haß und das blinde Vorurtheil kann so unbillig sich aussprechen —: der Staat