Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruno Bauer und die Juden
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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212 IV. Bruno Bauer und die Juden. keinen Halt haben kann. So lange er aber diese beiden Elelnente noch nicht ganz überwunden hat, wissen auch die'Juden, daß sie die schlimmsten Konsequenzen jener Halbheit erfahren, und deßhalb betrachten sie ihre Emancipaüon als eine bloße Folge der Emancipaüon des Staates von diesen zwei Fesselndes feudalen und kirchlichen Elements, obgleich sie beide, richtig aufgefaßt, .. in ihrer Bedeutung würdigen, das feudale in dem wohlerworbenen naturgemäßett, gesellschaftlichen Einflüsse, das kirchliche in seiner allgemeinen, über einzelnen Staat hinausgreffenden, auch auf den Staat, einwirkmden, aber nicht ihn unterjochenden, sondern blos geistig wirkenden Geltung. Der neue Staat wird jedoch auch zuweilen einseitig erfaßt und wird dadurch wieder Meinungsstaat. Die Freiheit und Gleichheit, die er - proclamirll, will er seinen Bürgern gewaltsam als Gesinnung aufdrängen und die abweichende Gesinnung bestrafen/wie die Terroristen der französischen Revolution thaten, der eigenen geistigen Gewalt mißtrauend und daher sich selbst untergrabend. Und im Grunde ist der Bäuerische Staat ganz derselbe schroffe Meinungsstaat, der eine bestimmte Anschauungsweise zur Bedingung für den vollen Eintritt in den Staatsverband macht und dieser keineswegs die Macht zutraut, alle Elemente zu überwinden und sich eittZUverleiben, zu verschwindenden Momenten zu machen. Aber auch im Allgemeinen wird gegen die Juden diese Einseitigkeit hervorgekehrt, wenn sie auch sonst nicht gehegt wird. Während mau alle Eigenthümlichkeiten mit Recht gewähren lassen, ihre Entwickelung von ihrem Boden aus gestatten will, während z. B. die Provinz Posen ihre polnische, nicht deutsche und nicht preußische Nationalität, einen strengen römischen Katholicismus ungestört proclamirt und die Hegung des größten Absonderungsmittels, der besonder» Sprache verlangt, ohne daß der Staat hierin eilte Gefährdung seiner Einheit und eine Veranlassung zur Nechtsbeschränknng dieses Theiles sieht, im vollen Vertrauen zu seiner lebendigen Kraft, auch ausdrücklich widerstrebende Elemente mit sich fest zu verschlingen: wird an dm zerstreuten Juden, welche kein räumliches Provinzialband schlingen können und wollen, ihr geistiges Band nicht sichtbar im einer Person vertreten sehen und sehen wollen, die keine andere Sprache haben und verlangen- .als die vaterländische, immer und immer eine fremde