Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruno Bauer und die Juden
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2929020-2929041-2929044-2932210--2871-2932311- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
210 IV. Bruno Bauer urid die Juden. fremde sich befehdeten und die Kraft raubten; aber auch das positivkirchliche Element ließ sich in seiner Entwickelung nicht in seiner Einheit erhalten, und mit seiner Zerspaltung mußte sich der Staat nach einem andern Principe seiner Einheit umsehen. Blutige Kämpfe und darauf -Flickversuche gingen erst voraus, ehe"er Zur Verwirklichung dieser Nothwendigkeit schritt, aber er mußte doch endlich den Schritt thun. Der Ständeunterschred wollte nichtz mehr in seiner alten Strenge aushcckten, das Nitterwesen war vernichtet, die Bedeutung des Adels in. Frage gestellt; die verschiedenen christlich-kirchlichen Parteien mußten der Gewalt nachgeben, sich gegenseitig im bürgerlichen' Leben anerkennen und möglichst gleiche Rechte gestatten. Die Einheit des /Staates wurde nun zuerst in der absolutistischen Monarchie, in wer Einheit des Regenten gesucht', an den jedoch noch immer das feudale und kirchliche Element sich anschloß, indem der Adel, .zwar nicht mehr als-selbstständige Macht, aber doch als der nächste zum Fürsten, von dem die Strahlen auf ihn zunächst ausgingen, in einer gewissen schwebenden Höhe verblieb, die kirchliche Partei, der der Fürst angehörte, als die bevorzugte erschien. Mein wenn auch der Staat in dem Regenten seine Spitze findet, seine Einheit in dessen Persönlichkeit repräsentirt wird, so muß er doch feinen eigenthümlichen Inhalt haben, der zu jener-Spitze ausläuft- und eine Einheit in sich tragen, welche zu repräsentiren ist. Und so arbeitete und 'arbeitet sich dieselbe denn in der ThaL -weiter heraus. Der Staat strebt dahin, in sich einen. Organismus darzustellen, der von. allen seinen Gliedern nach der ihnen inwohnenden Kraft, genährt wird und wiederum auf alle einzelnen Glieder nach ihrer Empfänglichkeit und Tüchtigkeit seine Lebenselemente ausströmt; er erkennt nicht das Überwiegen eines festgeschlossenen Theiles in sich an, nur in sofern der Eine begabter und tüchtiger ist, , erfreut er sich eines größern Einflusses, den er verliert mit dem Verluste oder der mangelhaften Anwendung der Begabung; er erkennt auch als Staat kein Princip außer sich an, das ihm das Ziel seiner Entwickelung von vorn.herein vorschreibe, auch im geistigetl Leben muß durch die zwischen seinen Gliedern geübte Wechftlnnrkung sich eine allgemeine Anschauung ergeben,, deren Ausbildung keine Schranke gesetzt sein kann. Er darf daher weder einen Stand bevorzugen