Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bruno Bauer und die Juden
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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204 I V. Bruno Bauer und die-Juden. In Digressionen sich ergehende Discussion Bauers als Sophistik sich ergeben wird. I. Grundlage. 'Historisch gewordener und sich fortbildender Institute, wie Staat und Kirche sind, können wir Ms auch nur, den historischen Spuren folgend, bemächtigen. So lange es gesonderte Staaten und Kirchen giebt, kann von einem absoluten Staate und einer absoluten Kirche nicht die Nede sein, indem ein jedes solches Sonderinstitut zugleich nothwendig zur Selbsterhaltung seine Sonderinteressen hat; hingegen sind sie die besten und riöih«- wendigen Organe der menschlichen Gesammtthätigkeit, und sie bewegen sich immer'mehr nach dem Zustande hin, in welchem das Sonderinteresse dem allgemein menschlichen untergeordnet ist. Wir können drei Entwickelungsstuftn unterscheiden, und zugleich die Rückwirkung auf die Juden begreifen. Der alte oder der volkstümliche Staat und die Jude n. Hie erweiterte Lamilie, der Stamm, das Volk gleicher Abstammung bildete naturgemäß zuerst der: Staat. Das Gefühl, daß in dem Staate die Menschheitszwecke umschlossen werden sollen, machte aber diesen das einzelne Volk in sich enthaltenden Staat Zu einem ausschließlichen, die ganze übrige Menschheit uegirenden; dieses Volk betrachtete sich als die Menschheit, Alles außer ihm waren Barbaren, die vertilgt, jedenfalls unterworfen werden mußten, die in den Staat, das hieß in die wahre Menschheit, nicht durch Verschmelzung völlig ausgenommen werden konnten. Bei dieser Ausschließlichkeit vereinigte der Staat alle Menschheits- Zwecke, auch die sittlich-religiösen, in sich, da die Kirche ganz in ihm aufgehen konnte, die Sorge für die außerhalb des Staatsbezirks befindlichen. Menschen auf dem Standpunkte eines solchen Volksbewnßtseins nicht vorhanden war. So verfuhren die Griechen, welche noch dazu in Stämme zerfallend, auch nicht an die innerliche Vereinigung derselben zu einem höhern Ganzen dachten,