Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Monotheismus in sittlicher Beziehung
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 18)
- Language
- German
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n. Der Monotheismus iy sittlicher Beziehung. 169 naueres Eingehen auf die Sache, das wir uns für eine andere Gelegenheit Vorbehalten, würde leicht zeigen, daß diese Anschuldigung gänzlich aus der Luft gegriffen, daß keiuesweges in dieser Beziehung das -sittliche Grundgesetz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" eine Einschränkung erleidet, und daß die Hebräer in Bezug auf Heiden sich lange nicht des ausschließenden Hochmuthes schuldig machten,, als die Gebildetsten unter, diesen in Bezug auf die sogenannten „Barbaren, d. i. Völker wie die Ägypter, Indier, Perser, Hebräer u. s. w. Freilich mit den eigentlich kanaanitischen Völkern verbot das Gesetz jedes Bi'mdniß und jede friedliche Beziehung, ja sie sollten sämmtlich mit der Schärfe des Schwerdtes gezwungen werden, das Land zu verlassen (was sie auch in Masse, die Phönicischen Kolonieen gründend, thaten §); aber hier wird auch klar und wiederholt der sittliche Grund angegeben: denn Alles, was dem Ewigen ein Gräuel ist, was Er hasset, das thun sie ihren Göttern, denn auch ihre Söhne und ihre Töchter verbrennen sie in Feuer für ihre Götter." 5 Mos. 12, 31. Diese Völker waren also, durch ihren abscheulichen Götzendienst eine sittliche Pest im Lande, deren Ansteckung man vermeiden sollte. Ihre Austreibung, ja der Tod, der über sie verhängt ward, kann dem Gesetzgeber eben so wenig als eine Lieblosigkeit gedeutet werden, als wenn er den Mörder unschädlich zu machen sucht. Denn diese Molochsdiener waren nicht allein, durch ihre Religion geborene Mörder, sondern sie waren dazu Lehrer des Mordes und zwar mit dem täuschendsten, verführendsten Räsonnement eines Wahnes, der eine wahre Höllenmacht über den Menschen gewinnen konnte. Um ein Beispiel zu haben, wie weit und durch welche Mittel der Götzendienst überhaupt die Herzen gefangen nehmen konnte, darf man sich nur erinnern, mit welcher Dreistigkeit eines unerschütterlichen Glaubens die israelitischen Frauen in Ägypten, im Beistände ihrer Männer, auf die Ermahnungen des Propheten (Jer. 44, 15 ff.) erwiedern: „Wir wollen der Königin des Himmels dienen, wie wir vordem gethan (es war nämlich die Phönicäsche Astarte und ihr Dienst — Unzucht), denn da hatten *) S. Forschungen Lm Gebiete der Hebräisch - Aegyptischen Archäologie, 1. S. 6 ff.