Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Monotheismus in sittlicher Beziehung
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2929020-2929041-2929044-2932208--2823-2932265- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
164 1l. Der Monotheismus in sittlicher Beziehung. die liebevollste Sorgfalt zuwenden, sein geistiges und sein äußeres wahres Wohl in jeder Hinsicht befördern müssen. Über dies Alles dürste kein Wort gesagt sein, und jeder Gute würde es sich von selbst, bei einigem Nachdenken/ von jenem ersten Satze ableiten können. Man dürste also, zur Würdigung der monotheistischen Offenbarungs-Lehre, nicht eben ängstlich forschen, ob auch jedes einzelne, besondere Gebot der Nächstenliebe wirklich dasteht, da sie alle schon in dem Einen rnvolvirt und gegeben sind. In der That aber ist das göttliche Gesetz hier bis zum Verwundern vollständig es ist keiner der angedeuteten Punkte übergangen, und bloß individuellem Ermessen anheimgestellt, die Pflicht der Liebe wird nach allen ihren Seiten, in allen ihren besonder:: Beziehungen und Anwendbarkeiten wiederholentlich erklärt, geboten und, mit den rührendsten Ausdrücken göttlicher Allgüte, ans Herz gelegt. Dagegen tritt die Unzulänglichkeit der innerhalb des Polytheismus' sich entwickelnde:: Sittenlehre hier auf das Klarste hervor. Denn ihm fehlte namentlich die Idee der allgemeinen Menschenwürde, wie sie in der monotheistischen Auffassung der Gottähnlichkeit feststehet, und somit die wahre Grundlage einer allgemeinen Menschenliebe, die, wie Liebe überhaupt, sich wor Allem aus Achtung gründen muß. Anderweitige falsche religiöse und zuin. Theil auch politische Begriffe kamen noch hinzu, um jenem, als für jede menschliche Beziehung einzusührenden, Gedanken: „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst" im Heidenthume feindlich entgegen zu treten. Daher ergiebt sich hier zwischen ihn: und der mosaischen Lehre eine Reihe der schneidendsten Gegensätze. Daß vielerlei Tugenden des individuellen Verhaltens gegen den Mitmenschen und unter ihnen namentlich Freundschaft und Gastfreundschaft, auch in: heidnischen Alterthum sehr hoch gehalten wurden, hieran dürfen wir nicht erst erinnern, aber es fehlte ihnen, wie bemerkt worden, die allgemeine Basis und dies verhinderte ihre allgemeine Anwendung.