Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ist der Streit in der Synagoge ein Zeichen von ihrem Zerfalle oder von ihrem neuerwachten Leben?
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 13)
- Language
- German
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ein Zeichen von Zerfall oder neuem Leben? 15! Ja-, diese Aussicht zeigt sich, allem es ist eben noch blos Aussicht, vorläufig lastet das an sich so schwächliche Halbheitssystem doch auf uns mit eiserner Hand und benebelt die Geister, und Dies eben ist die bedenklichste Erscheinung. Denn noch macht sich der religiöse Ernst nicht bemerklich, der die Harmonie zwischen Leben und Lehre zu einer Wahrheit zu machen trachtet, der die innerste Überzeugung, in der allein volle Ruhe gefunden werden, der man allein mit Wärme sich anschließen kann, redlich und offen ausspricht und ihr zum thatsächlichen Ausdrucke zu verhelfen, bereit ist. Blos die Thätsache der Bewegung erzeugt vorläufig noch einen Schein von Gesundheit, eine kurz anhaltende Theilnahme; aber die Gegenstände, um die es sich bei dieser Bewegung in offener Aussprache handelt, sie sind es wahrlich nicht, an die man mit voller Entschiedenheit sich anschließen möchte. Noch sind das Leben einer großen Anzahl von Glaubensgenossen und die selbst entwickelte Lehre im grellen Widerspruche, und jenes hat noch keinen rücksichtslosen wissenschaftlichen Vertreter gefunden, also der Zustand der Getheiltheit ist noch vorhanden, und sobald Miene gemacht wird, 'dieser wahrlich gefährlichen Spaltung zwischen dem innern Menschen und seinem äußerlichen Bekenntnisse ein Ende zu machen, da zeigt sich nicht die freudige begeisterte Aufmunterung, nein, immer kläglich ängstliche Abmahnung, und so ist es noch immer wahr, daß der religiöse Ernst noch nicht hinlänglich geweckt ist, daß das Judenthum als solches in keiner seiner offen ausgesprochenen Richtungen noch nicht auf der Höhe der Zeit steht, noch nicht den Gesinnungen einer großen Zahl seiner äußerlichen Bekenner entspricht, und daß eben so wenig der Versuch gewagt wird, diese Lebensrichtung in wissenschaftlicher Form, als dem Judenthume angehörig zu verkünden, wie etwa andererseits sie ernstlich als eine unwahre mit geeigneten Waffen zu bekämpfen. Hier also, nicht in jenen untergeordneten Zerwürfnissen im Leben, sondern in dem höhern Zerwürfnisse zwischen Leben und Lehre, das noch immer schroff besteht, hier liegt die wunde Seite des Judenthums. Wehe, wenn zu ihrer Heilung nicht geschritten wird, die Vermoderung ist dann nicht aufzuh alten, aber Stärkung und Kräftigung wird das Judenthum ernpfinden, wenn