Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ist der Streit in der Synagoge ein Zeichen von ihrem Zerfalle oder von ihrem neuerwachten Leben?
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 11)
- Language
- German
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ein Zeichen von Zerfall oder neuen Leben? 149 Schlaffheit, welche Vernachlässigung aller Gesammtinteressen! Was kümmerte es den Einzelnen, der sich gerade nicht bedrückt fühlte, ob der Andere leide! War der Handel nicht belästigt, so mochte für die Männer desselben immer das Gewerbe verschlossen bleiben; konnte der Arzt seiner Praris nachgehen, so fragte er nicht darnach, ob ein anderer geistiger Beruf verwehrt sei; hatte der Eine nur die Erlaubnis; zur Niederlassung, zur Verehelichung erhalten, so war es ihm gleichgültig, ja er freute sich vielleicht sogar, wenn der Andere dabei auf unsägliche Hindernisse stieß, er sich nun als einen besonders Begünstigten betrachten durfte: man arrangirte sich für sich allein, so gut es ging, und überließ einem Jeden, seine Privatverhältnisse den einmal bestehenden drückenden Bestimmungen auzubequemen, ohne an Abhülfe zu denken. Und da spricht man von einem Zusammenhalten der Kräfte in den Zeiten der Bewegungslosigkeit? Wie ganz anders hingegen in dem letzten Jahrzehend, da man sich wieder recht lebhaft und innig als Jude fühlte und an den Bedrängnissen, Welche den Juden als solchen trafen, ein Jeder Theil nahm, wenn gleich für ihn selbst kein widriger Erfolg daraus entstand; man scheuete selbst nicht Opfer, um für die Gesammtheit eine Anerkennung zu erringen, wenn sie auch nicht einmal einen materiellen Gewinn brachte. Aber gerade weil man sich als Jude fühlte und mit rechter Innigkeit fühlen wollte, machte sich auch der Anspruch geltend, die tiefsten Herzensbedürfnisse in den jüdischen Institutionen befriedigt zu sehen, war es nicht mehr gleichgültig, ob man sich im Leben mit voller Liebe und Theilnahme den religiösen Einrichtungen anschließen könne oder sie verächtlich zur Seite werfen müsse. Dasselbe lebendige Interesse, das für die Angelegenheiten der Gesammtheit thätig war, dasselbe erweckte auch die Wünsche nach dem innern Aus- und Umbau und rief Zerwürfnisse ^hervor, welche aber dennoch wieder alsbald schwiegen, wenn es galt, ungerechten Angriffen oder Bedrohungen kräftige -Abwehr entgegenzustellen. Also nicht nur, daß jener Nachtheil nicht vorhanden ist, so dürfen , wir gerade im Gegentheile sagen, daß nur dann, wenn die Gegensätze im Innern sich ernstlich bemerklich machen, also eine lebendige Theilnahme an den religiösen Gesamrntangelegen-