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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1844-01-01 · Heft 2 · p. Seite 145

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1844
Issue
Heft 2
Article
Ist der Streit in der Synagoge ein Zeichen von ihrem Zerfalle oder von ihrem neuerwachten Leben?
Date
1844-01-01
Page
Seite 145 (sequence 7)
Language
German
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ein Zeichen yon Zerfall oder neuem Leben? 143 die weiseste Mäßigung nicht jeden Ausbruch verhindern kann, wenn ein höheres. Vedürfniß zu ihm treibt. Allein wozu denn auch gar jenes Schelten und Abmahnen? Ist es Klugheit, wenn man den Blutumlauf ganz unterbrechen will, weil derselbe, wenn er auf Hemnurngen stößt, gewaltsame Ausbrüche erzeugen muß? ist der Selbstmord gerecht, wenn billige, zum Leben nothwendige .Ansprüche auf Hindernisse stoßen, die nur durch Anstrengungen, durch Abwehr von Beeinträchtigungen überwunden werden können? Wohl wären, wendet man ein, die einzelnen Widerwärtigkeiten eines Kampfes, gegenüber dem frischeren Leben, das er erzeugt, zu übersehen/ allein die Resultate, auf die man durch den Kampf hossr, 'werden weit sicherer in einer friedlichen stillen Entwickelung erzielt; durch die entstandene Parteiung werden die Gemüther gerade erbittert und die Zugeständnisse, welche mitten im Frieden gern gemacht worden wären, werden nun hartnäckig verweigert, die ganze Richtung aber verhärtet sich, weil sie zur persönlichen und Parteisache geworden ist, man fürchtet die allerschroffsten Confeguenzen nicht mehr, man treibt sich gewaltsam auf die Spitze, die man sonst sorgsam vermieden hätte. Und die Folgerung dieses Einwandes? Nun, daß solcher zum harten Eigensinn gewordenen Ueberzeugung gegenüber gar nichts mehr auszurichten ist. Daß dies vielleicht bei Einzelnen, die ohnedies bereits hinlänglich verhärtet sind, von denen also auch in der ruhigsten Lage eine Concession kaum zu erwirken wäre, der Fall sein mag, kann immerhin zugestanden werden; allein es geht hier gerade wie mit dem Geizigen, der den bescheiden Fordernden abweist, den Zudringlichen aber schilt, im Resultate bleibt stch's gleich, blos die Gemüthsverfassung ändert sich. Doch sehen wir auch ab davon, daß bei dem geringsten und billigsten Wunsche der Widerspruch sich ebenso entschieden geltend macht und der Kampf blos dann ganz zu vermeiden ist, wenn eben Alles in starrster Lethargie verbleibt, nehmen wir vielmehr an, es ließe sich bei sorgfältiger Vermeidung alles Anstößigen, bei einem klugen — oder schlauen — Laviren wirklich manche geringfügige Verbesserung unvermerkt durchführen, so fragen wir, was dann der Gewinn eines solchen als unvermerkt bezeichneten Fortschrittes ist? .Ist eS denn etwa das einzelne Faktum, die Ein-

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