Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ist der Streit in der Synagoge ein Zeichen von ihrem Zerfalle oder von ihrem neuerwachten Leben?
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 6)
- Language
- German
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IM I. Der Streit in der Synagoge Herzufällen. Allem da nun der Kampf nicht mehr blos auf das unmittelbare Leben .sich beschränkt, sondern zugleich seine litterarische Vertretung sucht, so muß nothwendig eine größere Wurde und Besonnenheit auch Ln dieser -Richtung eintreten. Sie hat sich allerdings bis jetzt auch in dem litterarischen Ausdrucke' noch nicht zu dieser Stufe erheben können, und die apodiktischen -Behauptungen, mit denen sie sich bis jetzt begnügte, waren von hochfahrenden Äußerungen begleitet, wie sie nur irgend in heftiger mündlicher Debatte Vorkommen können, ebenso alles liefern Eingehens entblößt, wie nur das gewöhnliche Leben sich damit zufrieden geben kann. .Doch liegt in der schriftlichen Vertheidigung an sich schon ein Element, das allmählich zu einem klareren Erfassen zwingt, zur Besprechung des liefern Grundes auffordert, zum eigenen .Nachdenken und damit zur Verinnerlichung nöthigt, und schon bemerkt man, daß die Männer, welche jener Richtung angehören wollen und nur irgend vermögend sind, auch schriftlich sek bst ihre Sache zu fuhren, und das heißt mit andern Worten, die Gedanken soweit in sich zu verarbeiten wissen, um ihnen eine Form geben zu können, daß diese auf den Weg einer anständigen Discussion immer mehr Hingetrieben werden. Es ist ein schwacher Schein, der von dort herüber dringt, aber jemehr die Notwendigkeit zum öffentlichen Austreten sich vermehrt — und sie vermehrt sich tagtäglich, — um so mehr wird auch dieser Schein an Stärke zunehmen. So betrübend demnach im Schooße der Gemeinden Differenzen sich gestalten, mögen, so sehr es zu beklagen ist, wenn die Leidenschaft und die Gehässigkeit sich an sie anklammern und alles Niedrige und Gemeine in der menschlichen Brust aufregen, so muffen wir doch dies blos Nebenhergehende mit Gleichmuth dulden und der liefern Bedeutung uns freuen, die denselben zu Grunde liegt, eine frohe Verkündung neubelebter Zukunft in ihnen erblickend. , Es ist schon au sich ein Lhörichtes Schelten der sogenannten klugen Männer, wenn sie, ein heftiges Aufeinanderprallen dem entschiedenen -Auftreten eines Einzelnen beimessend, diesem den Vorwurf, Streit, anzuregen, machen. Ist es nicht der lebendige Drang der- Geschichte, der in dem Einzelnen sich bekundet , so wäre selbst dessen Poltern unfruchtbar, während auch