Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ist der Streit in der Synagoge ein Zeichen von ihrem Zerfalle oder von ihrem neuerwachten Leben?
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 5)
- Language
- German
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ein Zeichen von Zerfall oder neuem Leben? 143 Doch wenn die Anforderungen für das Leben nicht "mehr auf ein bloßes vages Bedürfnis; sich stützen, sondern auf erkannte, Grundsätze des religiösen Systems sich berufen, wenn die Arbeiten der Wissenschaft nicht mehr isolirt dastehen, sondern ihre Konsequenzen für das Leben in Anspruch nehmen: zeigt sich da nicht, wie wirklich hon Innen heraus wiederum ein Band erwächst, das die losen Glieder neu umschließt? Daß ein Kampf dabei obwaltet, das ist ein charakteristisches Zeichen aller Geschichte, alles Werdens; das Gewordene will gegen das Werdende sich behaupten^ die aus der innern Kraft in die Außenwelt ehedem hervorgetretene Schöpfung will sich erhalten, wenn bereits die Kraft sie verlassen hat und an neuer Schöpfung arbeitet. Die Kraft ist ungeschwächt,, verwechseln'wir sie nur nicht mit ihrem früheren Erzeugnisse! So ist es aber in unfern Tagem Die Gegensätze machen sich in der Einrichtung, der religiöser! Institutionen entsprechend mit der wissenschaftlichen Begründung geltend, es geht' ein Zug durch die Geister, der auf Erkennen des jüdisch-religiösen Grundes und auf angemessene Anordnung der das religiöse Leben ausdrückenden und ihm Nahrung gebenden Formen zu gleicher Zeit hindrängt: wer könnte da, wenn auch Reibungen sich nicht vermeiden lassen, einen Verfall erblicken wollen? Offenbart sich nicht im Gegentheil darin die rechte, unabweisbar dringende Lebensfrische des religiösen Geistes, daß er vor den vielen Unbehaglichkeiten eines mühseligen Kampfes, der ihm überall drohend sich zeigt, sobald er Miene macht, sich zu objectiviren, daß er davor nicht erschrickt? Freilich ist es zu wünschen, daß in allen Äußerungen dieses Kampfes die religiöse Gesinnung in ihrer verschiedenen Erscheinung recht klar und lebendig hrrvortrete, nicht getrübt durch zur Leidenschaft gesteigerte Voruirtheit und Persönlichkeit, und ohne hier einen Vorwurf aussprechen zu wollen, ist doch der Mangel einer solchen, blos von der Heiligkeit der Sache erwärmten Gesinnung namentlich bei der Richtung zu beklagen, welche sich als die fromme bezeichnet und in diesem Ansprüche nicht die Aufforderung zur Selbstdemüthigung und zu ernster innerer Erwägung eines jeden Schrittes erkennt, sondern damit das-Recht erlangt zu haben glaubt, über jeden von ihr Abweichenden rückfichtslos