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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1844-01-01 · Heft 2 · p. Seite 142

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1844
Issue
Heft 2
Article
Ist der Streit in der Synagoge ein Zeichen von ihrem Zerfalle oder von ihrem neuerwachten Leben?
Date
1844-01-01
Page
Seite 142 (sequence 4)
Language
German
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142 I. Der Streit in der Synagoge tragen müßte, diese Frage blieb jo lange unerledigt, als daS Leben auf eigne Hand das Unternehmen auszuführen trachtete. Auch in dem andern Falle, wo ein literarischer Kampf sich erzeugte, ohne daß das Leben demselben nachfolgte, lies; manches Bedenken sich erheben. Allerdings konnte nun nicht mehr die Frage entstehen, ob in den Grundsätzen des religiösem Bekenntnisses Lebenskraft genug sei, eine neue Richtung aufzunehmen und zu ertragen: sollte sie ja eben litterarisch aus ihnen gewonnen werden, bekundete sich jü eben ihre Jugendfrische und Lebensfähigkeit durch die Versuche, den in den Grundsätzen nothwendig vorhandenen Entwickelungstrieb nachzuweisen, und in jener immer sich wiederholenden Behauptung, von Innen heraus das geistige Leben neu zu kräftigen und das ideale, ächtreligiöse Moment aus der Erstarrung zu erwecken, zeigte sich eben, daß es noch vorhan-, den war und zum Durchbruche gelangen konnte. Allein die Frage mochte sich doch in anderer Fassung aufdrängen. Wohl mag das Judenthum, sprach Mancher, abgesehen von der Zähigkeit, die es im Leben angenommen, so große-Wahrheiten und so lebensvolle Kräfte in sich tragen, daß es mit Beseitigung der Jrrthümer und mit Überwindung erstorbener, aber mit der Schwere des Leichnams es belastender,. Gebilde in seiner Herrlichkeit und Frische erstehen könnte; allein es vermag doch blos unter seinen Bekennern zu erstehen, wenn es wirklich als kirchenbildend m historischem Fortgange erscheinen soll, ruid eben seine Bekenner sind zu tief bereits in. seine Entartung versunken, idenüsicjrsn das Judenthum zu sehr mit seiner erstarrten Gestalt, als daß für sie eine Belebung desselben möglich wäre, als daß bei ihnen nicht entweder ein noch eine Zeit lang fortdauerndes Fortschleppen in verrosteten Fesseln oder ein gänzliches Abstreifen derselben ohne Zurückbleiben des wahrhaft geistigen Bandes sich hervorstellen sollte. Und dieser Einwurf lastete und — lastet noch theilweise auf dem mühsam in der LiLteratur sich Abarbeitenden, wenn er sah, daß die Verwirklichung seiner Ansprüche, das Gegenbitd im 'Leben sich durchaus nicht bemerklich machen wollte. Man stritt über wichtige Fragen, deren Entscheidung die wichtigsten Folgen für die Gestaltung des religiösen Lebens haben mußte, und dieses blieb in seiner Theilnahmlosigkeit/ unerwärmt, ungeweckt.

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