Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ist der Streit in der Synagoge ein Zeichen von ihrem Zerfalle oder von ihrem neuerwachten Leben?
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 3)
- Language
- German
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. ein Zeichen von Zerfalle oder neuem Leben? 141 aber nicht in ihm als einem lebenskräftigen- Von diesem Standpunkte aus wird er es schon ahnen, daß trotz dem Auseinandergehen von Leben und Lehre eine gegenseitige Annäherung, sich erzeugen und wohl die erstarrte und entartete Lehre zerfallen wird und muß, nicht aber die auS ihren frischen Lebenskeimen mir erweckte. Das Judenthum in der verhärteten Gestalt, die ihm die letzten Jahrhunderte gegeben, und die von den eigenen Gliedern desselben, fast von allen, nicht mehr als religiöse Norm für das Leben beobachtet wird, sei es aus welchen Gründen es wolle, diese von Manchen noch als einziges und ausschließliches Juden- Lhum verkündete Lehre, sie wird freilich, möchte Mancher schließen, nothwendig untergehen, weil eine Lehre, die in ihren Bekennen* selbst nicht mehr lebt, nicht mehr der Gegenwart angehört, und mag sie auch von noch so Vielen als die ewig unveränderliche und unverbrüchliche hingestellt werden. Allein ob das Judenthum deshalb wirklich in dieser Gestalt verbleiben muß, weil einige seiner Vertreter es behaupten, diese Frage mochte Manchem selbst in diesem Verhältnisse kommen. Dringender und unabweisbar stellt diese Frage sich aber heraus, wenn das Leben nicht von dem Zwange der Satzungen sich frei zu halten anstrebt, sondern die Satzung für sich zu verarbeiten und ihr eine sich angemessenere Gestalt zu geben trachtet. Da zeigt sich bereits die'Anhänglichkeit an dem Gedanken neben der Fernhaltung der Form, ja es ist bereits die Frage, ob das Judenthum in der als unabänderlich behaupteten Gestalt verbleiben muß, ob mit der Auflösung, dieser auch jenes schwindet, tatsächlich beantwortet, wenn auch freilich der Widerspruch des verhärteten Systems, der als ein wissenschaftlicher Ausspruch dem Leben gegenüber sich geltend machen will, um so schärfer hervortreten mag und die Möglichkeit dieser Sonderung deßhalö , auch noch sehr zweifelhaft erscheinen läßt. Ist es ja erst eine dunkle Ahnung, die einen Theil der Eemeinschast treibt,. über daS Bisherige hinauszugehn und neue Lebenselemente in das religiöse System einzuführen; aber ob diese Elemente mit dem System harmoniren, ob sie aus ihm, wie es in seiner Wahrheit erfaßt wird, erwachsen oder wenigstens mit ihm verträglich sind, ob der Versuch nicht gerade gänzlich Znm Umstürze des Gebäudes bei- 10*