Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ist der Streit in der Synagoge ein Zeichen von ihrem Zerfalle oder von ihrem neuerwachten Leben?
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 2)
- Language
- German
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140 I. Der . Streit in der Synagoge zeugungen aufeinander stießen und jede ihre Aussprüche auf theologischem Gebiete verfocht; allein das Leben blieb davon unberührt, nur eine größere Unsicherheit machte sich bemerklich. Nun aber sind verschiedentlich Leben und Wissenschaft in gleicher Weift in Kämpft verflochten worden, und die Differenz, die im Leben sich zeigte, erhob sich alsbald zu einer allgemeinen -Nrincipienfrage, die dann von verschiedenen Standpunkten aus beantwortet wurde. So lange noch das Leben blos tümultuarisch aufgeregt ward und die Kräfte mit materieller Brutalität auf einander trafen, da ließ sich das noch etwa als' ein Vorbote eines gänzlichen Verfalles betrachten, obgleich auch hier schon sorgfältiger die tiefer bewegende Ursache aufzusuchen war. Denn nur wenn das Leben sich rücksichtslos und gänzlich von dm Grundsätzen, auf denen der religiöse Verband beruht, lossagt und nur dann einen Streit beginnt, wenn diese Grundsätze ihm hindernd in den Weg treten wollen, da läßt sich freilich, und mit Recht, von einem Verfalle sprechen, obgleich auch da noch hinter dem gelockerten Bande ein neues sich erzeugen kann, das in geeigneterer Weift wieder die auseinander getretenen Glieder umschließt. So verhielt cs sich in der That im JudmLhume eine Zeit lang -und noch jetz? theilweift. Für dieses Wurden , und werden die Grundsätze ftstgehalten, die von fast sämmtlichen Vekennern nicht in ihrem ganzen Umfange mehr befolgt wurden und' werden; wenn der Gegensatz zwischen dem religiösen System und dem religiösen Leben so schroff sich ausgebildet, hat, dann kann von der Festigkeit des Systems , und mag es in sich noch so eouftqüent gefügt sein, nicht Mehr die Lvede sein, die Konsequenz ist dann nur größere Starrheit, und der Verfall des Ganzen wäre um so sicherer, eben weil das Gebäude keine Umgestaltung dulden würde. Doch eben daran würde der Einsichtige noch immer zweifeln, die Nothwendigkeit eines jeden Einzelnen im Ganzen, die/behauptet wird, muß ihm verdächtig sein, sobald er im Allgemeinen einen Begriff hat von'dem ge< schichtlichen Leben einer Glaubensgemeinschaft und dem geschichtlichen Werden ihres Bekenntnisses und ihrer übernommenen Pflichten, noch mehr wenn er speciell die Untersuchung zu führen weiß und die Überzeugung dadurch gewinnt, daß jene behauptete CoNftqmnz wohl in der Starrheit liegt, die das System angenommen^