Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neue Beiträge zur Geschichte des Streites über das Studium der Philosophie in den Jahren 1232 bis 1306 [Rezension]
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2929020-2929041-2929043-2932045--2745-2932170- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Streitschriften über'das Studium der Philosophie. 107 außer dem t'halmudischen fremd, die Philosophie haßte und verachtete er, und im Lande des Druckes und der Verfolgung hatte er glühenden Haß gegen alles Nichtjüdische eingesogen und einen herben Fanatismus gegen alle Tendenzen sich angeeignet, die den seinen widerstrebten. „Als ich nachder Provence kam, erzählt er, da fand ich -ein schönes, freies Land, dessen Bewohner —- dem Anscheine nach mit trefflichen Eigenschaften ausgestattet, alle Wohl beredt und mit Hellem Blicke. Da dankte ich Gott, daß er mich dorthin geführt, auch suchten Alle mich ausgezeichnet zu ehren. Allein ich hatte sie mir weiß gedacht, fand sie dann aber doch schwarz, mit sehr geringen Ausnahmen, denen die Lehre Gottes tiefer ins Herz gedrungen war, und die von dem Haufen, der Eitlem uacheilte, sich fern hielten. Diese Einzelnen fragte ich nun, warum sie nicht muthig sich in den -Niß stellten, damit die Wahrheit nicht zu Boden geworfen werde? Sie aber antworteten, sie hätten die Macht nicht, dazu müßten sämmtliche Große des Landes sich vereinigen, da ffchon von Kindheit an der Abfall beginne, man schon frühe die Geister.auf die Naturgesetze und deren Kenntniß Hinweise, von der Thorah aber sich ferne halte, vielmehr ihre Zaune einreiße. In Montpellier fand ich wohl die Thorah in Glanz und Ehren, in jener Mutterstadt in Israel wird verkündet, was Gott gewirkt; allein auch da achten die Großen nicht darauf, den Anstoß hinwegzuräumen,, so thut Jeder, was er will, denn Niemand macht ihm Vorschriften darüber, und so geht von den Mächtigen und Würdeträgern, die Kraft haben, den Unrath wegzuräumen, das Verderben aus, und Gott wird mit ihnen darob ins Gericht gehn." (S. 111.) Mit solchen Gedanken kam er ums I. 1303 nach Spanien, nach Toledo, wo Meir Ha-Levi und Jonah gut worgearb'eitet hatten, und der harte, heftige, mehr als glaubenseifrige Mann bewährte dort, wo den Juden eine gewisse Criminalgerichtsbarkeit noch gelassen war, seine guten Anlagen zum jüdischen Großinquisitor. Einsprüche, die man ihm in sein Amt machte von Seiten der Wissenschaft, wies er mit Stolz zurück. Dem Herrn sei Preis, schreibt er, er hat mich begnadigt mit jenem klaren Verstände, der aus der Lehre Moses sich ergiebt, soviel wie alle lebenden Gelehrten Spaniens, wenn ich auch von jener profanen Wissenschaft nichts weiß; gelobt sei Gott, daß er mich vor