Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Neue Beiträge zur Geschichte des Streites über das Studium der Philosophie in den Jahren 1232 bis 1306 [Rezension]
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2929020-2929041-2929043-2932045--2725-2932150- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Streitschriften über das Studium der Philosophie. 87 Die Provence, ebensowohl mit dem nördlichen Frankreich als dem nördlichen Spanien -- mit dem sie auch längere Zeit unter einer Herrschaft stcmd — in inniger Verbindung, aufblühelld in Handels Kunst und Wissenschaft, die Heimath der Ritterlichkeit und der süßen Dichtung, sog eben so gierig an den Brüsten der aus Spanien eindringmden Philosophie, als sie den rabbmischen Lehren Frankreichs tauschte, in denen sie übrigens selbst nicht minder Meisterin war ^). Der Mann aber, um den eine Schule von Jüngern der angeblich mit dem Judenthume versöhnten Philosophie sich bilden konnte und wirklich bildete, war Moses Maimonides (geb. zu Cordova 1133, gest. zu Kahirah 1204). Wir dürfen hier nicht ausführlich auf eine Charakteristik des Maim. und seiner Denkweise eingehn und ebensowenig den Streit, welcher nicht sehr lange nach seinem Tode über seine Schriften ausgebrocheu, umständlich erzählen; wir müssen vielmehr, nachdem die bisher gelieferte, zum Verständnisse des geschichtlichen Verlaufes als nothwendig erachtete Einleitung vorausgegangen, Maim.' Schriften und die durch sie herbeigeführten Streitigkeiten theils als bekannt voraussetzend', theils' einer ausführlichen Besprechung an einem andern Orte überlassend, uns enger an die uns setzt vorliegenden Quellen anschließen. — Maim. vertheidigte allerdings wie die Früheren die absolute Weltschöpsung, er nimmt die Wirklichkeit der Wunder an, und in seinen thalmudischen Schriften weicht er auch keinen Finger breit von den gesetzlichen Vorschriften ab, sucht diese im Gegentheile recht zu bekräftigen) dennoch ist die Philosophie in ihm zur Oberherrschaft gelangt. Daß er die absolute Geistigkeit Gottes aufstellt, daher auch das Beilegen von Eigenschaften, als mit dem Absoluten unverträglich, verwirft, ebenso die volle Geistigkeit der Seele behauptet, darin folgt er blos dem dort allgemein Zngestandenm, nur daß er die Begriffe schärfer auffaßt und cousequenter verfolgt)', allein selbst die Gegenstände, welche er vertheidigt, werden unter seiner Hand Zu ganz andern. Dem Beweise für die absolute Weltschöpsung widmet er freilich einen großen Theil seines Fleißes) allein er bekennt offen, daß, wenn ein ihn zwingender Beweis vom Gegentheile vorhanden wäre, *) Vgl. dies. Ztsch. B. II. S. Z0M und S. 556 ff. —