Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1844
- Issue
- Heft 1
- Article
- Das Verhältniß des natürlichen Schriftsinnes zur thalmudischen Schriftdeutung
- Date
- 1844-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 23)
- Language
- German
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zur thalinudlschkn Schriftdeutung. Eine Skizze. 73 einer so hohen -Geltung gekominen war, mußte ein jedes richtigere Gefühl nothwendig zurückgedrängt werden. Widersprach eine. Bestimmung wirklich so sehr dem natürlichen Wortsinne, daß der Vers eine gezwungene Deutung erhalten und diese dann auch dem blödesten Auge au stallen mußte , so hinderte sie dies dennoch nicht; „laß . dm Vers, er zwingt sich ja selbst zu diesem Sinne", war dann ihr Wahlspruch (Peßachim- 89 b; Kidduschin 68 u; Niddah 33 n), da nun einmal die Bestimmung feststeht, so kann auch die Schrift-. stelle keinen Widerspruch enthalten und muß sich einer, wenn auch noch so gezwungenen Deutung unterwerfen. Auch an andern Stellen beruhigen sie sich ganz wohl dabei, wenn durch einen Schluß, welcher die Bestimmungen eines Gesetzes, auf das andere überträgt wegen einer unwesentlichen Ähnlichkeit in den Worten, mit denen beide in der Schrift vorgetragen werden der natürliche Sinn der einen Stelle damit durchaus aufgehoben wird, wie dies Jebamoth 24 n und KheLhuboth 38 6 ganz einfach zugestanden wird. Allein hier wie in dem früheren Falle finden wir doch schon, daß eine dunkele Ahnung von dem ihren Deutungen zuwiderlaufenden natürlichen Schriftsinne beiihnen sich regte, und dieser hat in den hier angeführten Beispielen bereits seinen bestimmten Ausdruck gefunden: „der einfache Sinn des Verses", ja an der ersten Stelle wird sogar als allgemeiner mehr Erfahrungs - als Grundsatz aufgestellt: IMS '"W KÄVdNM P8 „in der ganzen Schrift verliert die Bibelstelle niemals ihren einfachen Sinn" (was aber bei dem dortigen Beispiele doch geschehn), und dieser Satz wird an einer andern Stelle (Schabbath 63 u) als Regel wiederholt. Allein so wenig sich hier die dunkle Ahnung von dem „einfachen Wortsinne", der der Deutung gegenübersteht oder neben ihr hergeht, verkennen läßt, so ist sie eben auch weiter Nichts als eine dunkle'Ahnung; ergiebt sich dieS schon aus der höchst spärlichen Anzahl von Fällen, bei denen.diese Einsicht hervortritt, während die Deutungen der verschiedensten Art, welche geradezu den einfachen Wortsinn aufheben, Legion sind, so wird dies noch klarer, wenn wir die Stellen selbst vergleichen. Die zwei ersten sind, wie schon oben bemerkt, der Art, daß ein Schluß